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  Ökonomisch FTD-Serie: Die Weltsicht der Manager

Normalerweise sind Manager aus Wirtschaft und Finanzen die Chefs. Für die Geburtsausgabe der FTD spielten sie Chefredakteur und Chefreporter. Lesen Sie hier die Ergebnisse des außergewöhnlichen Experiments.

Merken   Drucken   22.02.2010, 13:05 Schriftgröße: AAA

Notwendige Reformen: Mehr Mut in der Gesundheit

Kommentar Nur wenn die Bürger ihre Krankenversicherung frei wählen können und Wettbewerb herrscht, ist eine hochwertige medizinische Versorgung auch in Zukunft möglich. von Torsten Oletzky
Torsten Oletzky ist Vorstandsvorsitzender der Ergo Versicherungsgruppe.
Wie geht es weiter in der Gesundheitspolitik? Kaum ein Politikfeld hat in den Monaten seit der Bildung der neuen Bundesregierung eine so große Aufmerksamkeit erfahren. In den Jahren der großen Koalition hieß es: Der eingerichtete Gesundheitsfonds ist ein Mischkonstrukt beider politischer Lager. Und man ging davon aus, dass nach dem Ende der Zwangsehe die Politik eine klare Richtung einschlagen würde: Bürgerversicherung oder Gesundheitsprämie. Doch so einfach ist es in der Gesundheitspolitik nicht. Die Mehrheit für eine Kopfpauschale gibt es in der bürgerlichen "Wunschkoalition" nicht. Und selbst wenn es sie gäbe, wären damit die Probleme der Krankenversicherung nur zu einem kleinen Teil gelöst.
Ergo-Chef Torsten Oletzky   Ergo-Chef Torsten Oletzky
Die Herausforderungen sind viel größer. Unser Gesundheitssystem ist zwar noch immer eines der besten der Welt. Aber die Kosten des medizinischen Fortschritts und eine sich unaufhaltsam verändernde Demografie fordern sowohl die gesetzlichen Krankenkassen als auch die privaten Krankenversicherer schon heute erheblich.
Der Zugang zu hochwertiger Medizin muss auch in Zukunft allen Bürgern offenstehen. Eine effiziente medizinische Versorgung ist nicht zu erreichen, indem der Patient bevormundet und der Wettbewerb eingeschränkt wird. Daher sollten die Bürger Wahlfreiheit hinsichtlich ihrer Krankenversicherung erhalten. Um eine hochwertige medizinische Versorgung auch im Alter sicherzustellen, sollten die Anbieter entsprechende Alterungsrückstellungen bilden.
Die privaten Versicherungsunter- nehmen leisten dies bereits heute, 134 Mrd. Euro haben sie bereits für die Gesundheitsversorgung der privat Versicherten im Alter zurückgelegt. Dafür zahlt jeder Versicherte jeden Monat zusätzliches Geld. Jeder Versicherte, das heißt: nicht nur der Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze, sondern auch der kleine Beamte oder Ladenbesitzer, der auf jeden Euro schauen muss. Im Alter wird er davon profitieren. Dieses Modell der privaten Krankenversicherung dürfte vom Gesetzgeber nicht zwangsweise auf nur zehn Prozent der Bevölkerung beschränkt werden. Denn eines ist sicher: Die heutigen finanziellen Probleme im Gesundheitssystem sind nichts gegen das, was auf uns zukommt, wenn die Zahl der Beitragszahler immer weiter schrumpft, die Zahl der Rentner sich weiter erhöht, und in der gesetzlichen Krankenversicherung kein Cent zurückgelegt wurde.
Mit der Absicht, wenigstens die Pflegeversicherung durch einen kapitalgedeckten Anteil zu ergänzen, plant die Koalition einen ersten Schritt. Er erscheint machbar - trotz Wirtschafts- und Finanzkrise. Die private Versicherungswirtschaft hat gerade im vergangenen Jahr gezeigt, dass sie mit ihrer risikoarmen Anlagepolitik auch in der Krise ihre Verpflichtungen voll und ganz erfüllen kann.
Man kann nur hoffen, dass die Politik diesen ersten Schritt auch wirklich gehen wird. Denn die politischen Hürden sind angesichts leerer Kassen und hoher Staatsverschuldung immens: Jede Kapitaldeckung ist zunächst mit einer zusätzlichen Belastung für die Bürger verbunden. Die Früchte erntet man dagegen erst in Jahrzehnten - jedenfalls nicht innerhalb einer Wahlperiode. Eine Kapitaldeckung auf Pump, sprich aus zusätzlicher Staatsverschuldung, verbietet sich von selbst.
  • Aus der FTD vom 22.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 10.03.2010 12:24:48 Uhr   agape: ein sterbendes Modell?

    Eine Meldung von heute: MunichRe steigert Gewinn 2009 um fast zwei Drittel. Wieviel davon stammt aus dem Segment Gesundheit? Wieviel wurde abgezweigt, stand also den Kunden nicht mehr für Gesundheitsleistungen zur Verfügung?

    Die Alterungsrückstellungen der PKV AG's sind nicht wirklich vor verdeckten bzw. indirekten Zugriffen von Heuschrecken und zweifelhaftem Management geschützt, warum wird das nicht erwähnt und warum werden nicht die Verschiebebahnhöfe offengelegt?

    Inflation, Verluste an den Kapitalmärkten und eventuelle Währungsschnitte machen das PKV Modell Alterungsrückstellungen geradezu lächerlich in der langfristigen Effizienzwirkung.

    Erweiterte Auslegungen des Begriffes "medizinische Notwendigkeit" seitens der Untenehmen führen zu einer stetig wachsenden Zahl von Differenzen zwischen Kunden und PKV (vgl. Prozeßquoten und Bericht des Ombudsmannes). In der Praxis gelebte restriktivere Erstattungspraxis mit zunehmendem Lebensalter macht die PKV höchstens als Geschäftsmodell für Investoren attraktiv nicht als Gesundheitsversorgung.

    Die Beiträge Älterer privat Versicherter liegen für manches Ehepaar über den Renteneinkünften und bei manchem kleinem Beamten machen die Beiträge die Pension vollständig zunichte. Hilfebedürftigkeit tritt ein. Leistungsausschlüsse und Zuschläge verschlechtern die Situation zusätzlich. Vergreisende Tarife - gibt's nicht, oder doch? Wo soll da noch der Nutzen für die Versorgung der Republik liegen?

    Bereits die IGES Studie zeigt, dass die PKV in großen Schwierigkeiten steckt.
    http://www.iges.de/leistungen/gesundheitspolitik/e8349/infoboxContent8350/Schlussbericht_WettbewerbPKV_Kurzfassung_ger.pdf

    Die Verbraucherzentrale Bundesverband über eine verbrauchergerechte Gesundheitsreform im D-radio
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1139457

  • 25.02.2010 22:26:30 Uhr   Dr. Bogdan: Ein EHRLICHER Neuanfang...
  • 25.02.2010 22:22:21 Uhr   Dr. Bogdan: Eine Frage der Prioritäten
  • 25.02.2010 15:36:43 Uhr   fokus: @DrBogdan
  • 23.02.2010 21:39:46 Uhr   Dr. Bogdan: Drei Mythen über die Krankversicherung II
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