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  Erfrischend FTD-Serie: Die Weltsicht der Zehntklässler

Im Geburtsjahr der FTD wurden die Schüler des Hamburger Hansa-Gymnasiums gerade eingeschult. Das Weltgeschehen betrachten sie aus einem ganz anderen Blickwinkel als Wirtschaftsjournalisten. Lesen Sie hier Beiträge aus der Jubiläumsausgabe der Jugendlichen.

Merken   Drucken   22.02.2010, 13:34 Schriftgröße: AAA

Schüler-Umfrage zur wirtschaftlichen Stimmung: Bürger spüren Finanzkrise kaum

Deutsche haben die Finanzkrise in ihrem Alltag kaum bemerkt. 11 von 15 befragten Passanten in der Hamburger Innenstadt gaben in einer aktuellen Umfrage durch Zehntklässler des Hansa-Gymnasiums in Hamburg an, dass sich die Finanzkrise auf ihren Alltag nicht direkt ausgewirkt hat. Nur die Hälfte der Befragten macht sich Sorgen wegen der Finanzkrise. von Esther Philipps und Carlotta Bastian, Hamburg
Esther Philipps, 15, liebt Sport, vor allem Fußball, hört Musik und trifft sich mit Freunden. Findet es toll, dass man als "einfacher" Schüler mal sehen kann, wie eine Zeitung gemacht wird - und dass man so viel Einfluss auf den Inhalt hat.
Carlotta Bastian, 15, verbringt ihre Freizeit mit Freunden. Singt und tanzt. Interessiert sich für Journalismus und sieht das Projekt als Chance zu entscheiden, über welche Themen in dieser Ausgabe der FTD berichtet wird.
Straßenumfrage in Hamburg zur Finanzkrise   Straßenumfrage in Hamburg zur Finanzkrise
Diese Reaktionen sind überraschend, da die Finanzkrise seit mehr als zweieinhalb Jahren tobt und bisherige Wirtschaftskrisen in den Schatten gestellt hat. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 hatte es enorme Verwerfungen an den Finanzmärkten gegeben. Auch deutsche Banken schrammten nur knapp an einer Pleite vorbei, sie mussten mit staatlichen Geldern gestützt werden. Die Bundesregierung versprach den Bürgern, dass ihre Ersparnisse sicher sind.
Besonders erzürnt hat die Öffentlichkeit die Höhe der Bonuszahlungen der Bankmanager. Bei den geretteten Banken dürfen Bankmanager seither nicht mehr als 500.000 Euro im Jahr verdienen. Trotz dieser Vorgabe finden 14 der 15 Befragten, dass Banker immer noch zu viel Geld bekommen. "Generell ist die Bezahlung der Bankmanager in Ordnung, aber die Bonuszahlungen sind viel zu hoch", sagte Ulrike Wilhelm (35), Marketingmanagerin.
Die Mehrheit der Befragten findet die deutschen Banken zu mächtig und sieht dies als Grund für die hohen Bankenverluste. "Die Raffgier nach Geld wird immer größer und so werden viele Risiken aufgeschoben", so die Meinung von Frost Berner (53), Fachreferent für Allergologie.
Viele Bürger verfolgen die Finanzkrise mit großem Interesse, und fast alle Befragten fühlen sich über die Themen gut informiert. Als Hauptquelle ihrer Informationen gaben sie Tageszeitungen und die Nachrichtensendungen im Fernsehen, allen voran die "Tagesschau", an.
In ihrer Prognose, wie es mit der Wirtschaft in Deutschland weitergeht, sind sich die Passanten uneins: Nur knapp über 50 Prozent erwarten, dass sich die Stimmungslage aufhellen wird. Der Rest ist pessimistisch.
Für die Zukunft erhoffen sich die Befragten eine bessere Kontrolle der Banken durch den Staat. Aber klare Vorstellungen, wie man die Banken tatsächlich straffer beaufsichtigen kann, haben sie nicht. Gerade Bankkaufmann Sven Gollan (33) ist für die Radikallösung und forderte, "die großen und mächtigen Banken" einfach abzuschaffen.

"Gerade jetzt, in Zeiten der Finanzkrise, sollten die Menschen investieren"
Lasse Henningsen (18), Einzelhandelskaufmann

"Ich habe selbst Kapitalverluste hinnehmen müssen. Die Lage wird sich in nächster Zeit nicht bessern"
Till Reichert (30), Polizist

"Man sollte lockerer mit der Situation umgehen. Es wird zu viel Panik gemacht"
Henrik Freise (47), Maler und Lackierer

"In meinem Alltag merke ich nichts von der Krise, weil ich gut für meine Rente gearbeitet habe"
Lena Enina (72), Rentnerin

"Hätten Deutschlands große Banken weniger Macht gehabt, wäre die Finanzkrise so nicht passiert"
Sven Gollan (33), Bankkaufmann

"Ich bin in letzter Zeit immer knapp bei Kasse"
Nicole Uhroda (57), Hausfrau

"Langfristig wirkt sich die Finanzkrise negativ auf das gesellschaftliche Zusammenleben aus"
Uta von Heldorf (44), Sekretärin

  • Aus der FTD vom 22.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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