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  Erfrischend FTD-Serie: Die Weltsicht der Zehntklässler

Im Geburtsjahr der FTD wurden die Schüler des Hamburger Hansa-Gymnasiums gerade eingeschult. Das Weltgeschehen betrachten sie aus einem ganz anderen Blickwinkel als Wirtschaftsjournalisten. Lesen Sie hier Beiträge aus der Jubiläumsausgabe der Jugendlichen.

Merken   Drucken   21.02.2010, 21:58 Schriftgröße: AAA

Skater-Projekt in Afghanistan: Board statt Burka

Kaum Perspektiven für Jugendliche in Afghanistan: Ein Skateboard-Treff in Kabul kämpft dagegen an - und bietet Abwechslung vom Alltag eines zerrütteten Landes. von Britta Petersen und Mohammad Qasem Sahebi
Team Zehntklässler
Wahidullah Raz Mohammad springt auf sein Skateboard und fährt über die Halfpipe. Das weite afghanische Oberteil des 15-Jährigen flattert im Fahrtwind. Die Skateboard-Bahn hinter dem Stadion in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist seit zweieinhalb Jahren sein zweites Zuhause. "Früher war ich immer auf der Straße und habe Autos gewaschen", sagt er. "Mein Vater ist arbeitslos, und ich habe drei jüngere Brüder. Irgendjemand in der Familie muss ja Geld verdienen."
Hamid Shahram Shahimy (M.) vom Projekt Skateistan unterrichtet ein ...   Hamid Shahram Shahimy (M.) vom Projekt Skateistan unterrichtet ein afghanisches Mädchen im Skateboardfahren
Seit Wahidullah bei dem Verein "Skateistan" das Skateboardfahren entdeckt hat, gibt es noch etwas anderes in seinem Leben. "Ich wasche immer noch Autos", sagt er. "Aber ich habe bei Skateistan viele Kurse besucht und dabei neben dem Skaten auch Englisch gelernt und einen Fotokurs gemacht." Für Jugendliche in der von 30 Jahren Krieg geprägten Stadt ist die Skateboardbahn, die der Verein mit deutscher Unterstützung gebaut hat, eine Oase geworden, ein Ort, an dem sie jung sein können.
"Die Kids in Afghanistan sind nicht anders als Jugendliche überall auf der Welt", sagt Skateistan-Gründer Oliver Percovich. "Aber sie haben meistens keine Möglichkeit, sich zu entfalten." Das ist umso tragischer, da Afghanistan eines der jüngsten Länder der Welt ist: 70 Prozent der Bevölkerung sind unter 20 Jahre alt. Von ihnen könnte Hoffnung ausgehen - für eine bessere, gewaltfreie Zukunft.
Der Australier Percovich kam 2007 zusammen mit seiner Freundin nach Kabul und stolperte gewissermaßen in die Arbeit mit Jugendlichen hinein. "Ich bin selbst in meiner Freizeit mit dem Skateboard herumgefahren und hatte immer jede Menge Kids um mich herum, die das auch probieren wollten", sagt er. Inzwischen hat er die Botschaften von vier Ländern (Deutschland, Dänemark, Norwegen und Australien) als Geldgeber gewonnen. Die Skateboards und Ausrüstung wie Schutzhelme kommen als Spenden von privaten Firmen.
Neben der Armut sind es auch die traditionellen Wertvorstellungen, die oft das Leben junger Leute in Afghanistan stark einschränken. Viele Mädchen etwa haben noch nie im Leben Sport getrieben. Bei Skateistan dagegen bekommen sie die Gelegenheit dazu: Fast die Hälfte der rund 240 Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und 17 Jahren, die derzeit dort eingeschrieben sind, sind Mädchen.
Eine von ihnen ist die 11-jährige Maharo Sawary. "Das Skateboardfahren macht den Kopf frei und ist gut gegen die Angst", sagt sie. Doch sie fürchtet, dass ihre Eltern ihr verbieten werden, den Sport weiter zu betreiben, wenn sie älter wird. Ab der Pubertät wollen viele Eltern nicht mehr, dass ihre Töchter in Kontakt mit Jungen kommen. "Wenn meine Eltern mir das Skaten verbieten, bin ich traurig", sagt Maharo. "Aber ich muss ihr Urteil akzeptieren."

Teil 2: Eine Flucht käme für Straßenkinder schon aus Geldmangel nicht infrage

  • Aus der FTD vom 22.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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