Hamid Shahram Shahimy (M.) vom Projekt Skateistan unterrichtet ein afghanisches Mädchen im Skateboardfahren
Seit Wahidullah bei dem Verein "Skateistan" das Skateboardfahren entdeckt hat, gibt es noch etwas anderes in seinem Leben. "Ich wasche immer noch Autos", sagt er. "Aber ich habe bei Skateistan viele Kurse besucht und dabei neben dem Skaten auch Englisch gelernt und einen Fotokurs gemacht." Für Jugendliche in der von 30 Jahren Krieg geprägten Stadt ist die Skateboardbahn, die der Verein mit deutscher Unterstützung gebaut hat, eine Oase geworden, ein Ort, an dem sie jung sein können.
"Die Kids in Afghanistan sind nicht anders als Jugendliche überall auf der Welt", sagt Skateistan-Gründer Oliver Percovich. "Aber sie haben meistens keine Möglichkeit, sich zu entfalten." Das ist umso tragischer, da Afghanistan eines der jüngsten Länder der Welt ist: 70 Prozent der Bevölkerung sind unter 20 Jahre alt. Von ihnen könnte Hoffnung ausgehen - für eine bessere, gewaltfreie Zukunft.
Der Australier Percovich kam 2007 zusammen mit seiner Freundin nach Kabul und stolperte gewissermaßen in die Arbeit mit Jugendlichen hinein. "Ich bin selbst in meiner Freizeit mit dem Skateboard herumgefahren und hatte immer jede Menge Kids um mich herum, die das auch probieren wollten", sagt er. Inzwischen hat er die Botschaften von vier Ländern (Deutschland, Dänemark, Norwegen und Australien) als Geldgeber gewonnen. Die Skateboards und Ausrüstung wie Schutzhelme kommen als Spenden von privaten Firmen.
Neben der Armut sind es auch die traditionellen Wertvorstellungen, die oft das Leben junger Leute in Afghanistan stark einschränken. Viele Mädchen etwa haben noch nie im Leben Sport getrieben. Bei Skateistan dagegen bekommen sie die Gelegenheit dazu: Fast die Hälfte der rund 240 Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und 17 Jahren, die derzeit dort eingeschrieben sind, sind Mädchen.
Eine von ihnen ist die 11-jährige Maharo Sawary. "Das Skateboardfahren macht den Kopf frei und ist gut gegen die Angst", sagt sie. Doch sie fürchtet, dass ihre Eltern ihr verbieten werden, den Sport weiter zu betreiben, wenn sie älter wird. Ab der Pubertät wollen viele Eltern nicht mehr, dass ihre Töchter in Kontakt mit Jungen kommen. "Wenn meine Eltern mir das Skaten verbieten, bin ich traurig", sagt Maharo. "Aber ich muss ihr Urteil akzeptieren."