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  Meinungsstark FTD-Serie: Die Weltsicht der Politiker

Gewöhnlich ist Reden eine große Politikerkunst. Aber wie ist es um die Schreibkünste bestellt? Einige Politikgäste wollten für die Geburtstagsausgabe nicht nur Themen auswählen, sondern unbedingt kommentieren. Lesen Sie hier die Ergebnisse.

Merken   Drucken   22.02.2010, 13:10 Schriftgröße: AAA

Wirtschaftspolitik: Griechenlands Problem heißt Deutschland

Kommentar Die Deutschen kümmern sich zu wenig um die Defizitsorgen der südlichen Euro-Länder. Dabei könnten sie zur Lösung beitragen, indem sie stärker steigende Löhne zulassen. von Harald Wolf
Harald Wolf (Die Linke) ist Wirtschaftssenator in Berlin.
Griechenbashing allerorten: Da wird heftig der sorglos fahrlässige Umgang mit den (sakralen) Defizitkriterien des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts moniert, da wird der korrupte Umgang mit EU-Fördergeldern und der damit einhergehende Klientelismus angeprangert, da muss gar eine ganze Nation als Sündenbock für die wirtschaftliche Schwächephase des Euro-Raums herhalten.
Der Volksmund sagt, wer mit dem Finger auf einen anderen zeigt, richtet dabei drei Finger auf sich selbst. Gilt diese Weisheit auch hier? Besteht struktureller Anpassungsbedarf nicht nur im allseits gescholtenen Griechenland, sondern auch in anderen europäischen Ländern? Die Antwort lautet dreimal Ja.
FTD Jubilaeumsproduktion Berlin - Harald Wolf, Die Linke   FTD Jubilaeumsproduktion Berlin - Harald Wolf, Die Linke
Der deutschen Wirtschaftspolitik fehlt jede Sensibilität für die Defizitsorgen besonders der südeuropäischen Länder. In jedem Grundlagenseminar der Ökonomie werden die Ziele des magischen Vierecks hoher Beschäftigungsstand, stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum, stabiles Preisniveau sowie außenwirtschaftliches Gleichgewicht als die zentralen makroökonomischen Stabilisierungsindikatoren genannt.
Aber Deutschlands Wirtschaftspolitik schenkt lediglich den ersten dreien Beachtung. Beim außenwirtschaftlichen Gleichgewicht drücken wir hingegen gerne ein Auge zu und schmücken uns stattdessen lieber mit dem Titel eines "Exportweltmeisters" - mit verheerenden Wirkungen für unsere Nachbarländer im Euro-Verbund.
Denn diesen Titel erkaufte sich Deutschland in den vergangen Jahren mangels nominaler Abwertungsmöglichkeiten im gemeinsamen Euro-Währungsraum durch eine Strategie der realen Abwertung, sprich einer deutlich langsameren Lohnentwicklung als in den anderen Euro-Ländern.
Diese Strategie ist nichts anderes als eine moderne Form der Beggar-My-Neighbour-Politik. Entschieden vor Einführung des Euro die Wechselkurse über Überschüsse und Defizite im Außenhandel, so sind es jetzt die Lohnstückkosten. Fakt ist, dass Deutschlands radikal zurückhaltende Lohnpolitik ein zentrales Ziel der Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung untergräbt: den Wegfall störender Wechselkursschwankungen. Seit Jahren leben die Deutschen auf diese Weise unter ihren Verhältnissen, während die hohen Leistungsbilanzdefizite vor allem in den südeuropäischen Ländern wie Spanien, Griechenland oder Italien dazu führen, dass diese über ihre Verhältnisse leben. Ohne Zweifel torpedieren beide Entwicklungen auf Dauer einen funktionierenden europäischen Wirtschaftsraum und eine stabile Währung.

Teil 2: Was ist also zu tun?

  • Aus der FTD vom 22.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 02.03.2010 11:37:57 Uhr   O.H.: Griechenlands Problem heißt Deutschland

    Diese Argumente von Herrn Wolf kennen wir seit langem aus der Klamottenkiste der Gewerkschaften. Maßgeblich für die Misere der Südländer ist die undisziplinierte Finanz- und Wirschaftspolitik dieser Länder! In Griechenland wurden bereits vor 25 Jahren gewaltige Wahlgeschenke verteilt, bei en Beamten die Lenemsaarbeitszeit auf 50 Jahre gesenkt und 14 Gehälter ausbezahlt. Ein Dockarbeiter im Hafen von Piräus verdient jährlich 50.000 €. Hinzu kommt die enorme Korruption in der Wirtschaft und in der Beamtenschaft.

  • 23.02.2010 20:53:04 Uhr   Mister X: Unsinn....
  • 23.02.2010 16:26:59 Uhr   derherold: "Schuld" an 44 Mrd. Euro ?
  • 23.02.2010 13:12:39 Uhr   Robert Höschele: Von wegen, die armen Südländer!
  • 23.02.2010 13:10:46 Uhr   Ondoron: Herr Wolf und die Linken
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