Namen sind Schall und Rauch, weiß Goethes Faust. Zahlen sind es allemal, insbesondere wenn es um die Börsenbewertung von Konzernen geht. Am Montag vor drei Monaten übersprang erstmals ein Unternehmen mit seiner Marktkapitalisierung die 1000-Mrd.-$-Schwelle. Der Energiehunger der Chinesen hatte den Wert der Papiere von
Petrochina in die Höhe katapultiert. Der im Westen bis dahin nur einigen Energie- und Rohstoffexperten bekannte chinesische Ölkonzern war auf einmal wertvoller als etablierte Größen wie
General Electric und
Microsoft , ließ später sogar die Nummer eins der Ölfirmen,
Exxon Mobil , hinter sich und war plötzlich doppelt so viel wert wie der US-Konzern.
Alles schon wieder Geschichte. In den vergangenen Wochen stürzte Petrochinas Aktienwert an Hongkongs Börse um 45 Prozent ab, in Schanghai um 51 Prozent - über 400 Mrd. $ Marktwert sind auf einen Schlag ausradiert. Das ist mehr, als der US-Technologiekonzern General Electric, die Nummer drei auf der Liste der wertvollsten Unternehmen, derzeit überhaupt wert ist. Und immerhin liegt Petrochinas Börsenbewertung noch bei 570 Mrd. $.
Monatelang hatten Ökonomen philosophiert, ob sich Asiens Volkswirtschaften abkoppeln könnten von Nordamerika und Europa, ob sie dank eines verstärkten innerasiatischen Handels immun seien gegen einen wirtschaftlichen Abschwung in den westlichen Industrieländern. Pustekuchen, resignieren die Pessimisten nun.
"Die einzige Möglichkeit zur Entkoppelung wäre auf einem anderen Planeten", sagte David Dreman von der Fondsgesellschaft Dreman Value Management der Nachrichtenagentur Bloomberg. Mit Blick auf die hohe Nachfrage nach chinesischen Produkten fügte er hinzu: "Wir sind die größten Käufer der Waren und die wichtigsten Nutzer der Dienstleistungen", da sei es nur plausibel, dass in China die Wirtschaftsentwicklung zurückgehe, wenn sie hier stocke. Der Ausverkauf an den Börsen der Industrieländer spiegelt sich daher auch in den Kapitalmärkten der aufstrebenden Volkswirtschaften.
2007 hatten Anleger große Hoffnungen auf Firmen aus China, Indien, Russland und Brasilien gesetzt. Doch die jüngsten Marktturbulenzen trafen auch die Firmen dort. Petrochinas Anleger litten besonders. Die Aktie verlor in den vorigen Wochen jeweils fast doppelt so viel wie die Indizes in Hongkong und Schanghai.
Ein Triumph aber bleibt Verwaltungsratschef Jiang Jemin. Dem Absturz zum Trotz war Petrochina auch gestern der wertvollste Konzern der Welt. Der Zweitplatzierte Exxon Mobil liegt fast 25 Prozent zurück.