In Japan haben es Manager aus dem Ausland alles andere als leicht. Meldungen, dass ausländische Firmenchefs überraschend ihr Amt niederlegen, schlagen spätestens seit dem Skandal bei Olympus große Wellen.
So war es auch bei Craig Naylor, dem Chef von Nippon Sheet Glass (NSG) als er vor wenigen Tagen seinen Rücktritt erklärte. Doch ein Bilanzfälschungsskandal wie bei Olympus war dieses Mal nicht der Auslöser. Naylor gab Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung des Unternehmens als Grund an.
Naylors Rücktritt zeigt, wie schwer es ausländische Manager auch heute noch in Japan haben. Sein Vorgänger Stuart Chambers hatte ebenfalls überraschend sein Amt niedergelegt. Der Glashersteller NSG hatte 2006 das britische Unternehmen Pilkington übernommen und galt bei seinen Personalentscheidungen als ungewöhnlich progressiv für japanische Firmen.
Doch jetzt scheint sich der Trend umzukehren: Auf Olympus-Chef Michael Woodford, der den Skandal in seiner Firma publik machte, folgte ein Japaner. Auch Naylors Nachfolger stammt aus Japan. Und Sony -Chef Howard Stringer, der kürzlich aus dem Amt schied, wurde ebenfalls von einem Japaner beerbt. "Die Bilanz für ausländische Firmenchefs in japanischen Unternehmen wirkt zunehmend alles andere als rosig", sagt Brian Salsberg von der Unternehmensberatung McKinsey.
Japanische Firmen mit ausländischen Chefs gehören oft ausländischen Geldgebern oder haben zumindest einen großen ausländischen Aktionär. Das gilt für Carlos Ghosn, nachdem Renault ein großes Aktienpaket an Nissan erwarb. Auch Konkurrent Mazda hatte ausländische Chefs als Ford noch Großaktionär war.
Ausländer werden aber auch geholt, um Unternehmen grundlegend zu reformieren, vor allem in Sachen Globalisierung. Bei Sony sollte ein Ausländer einen Wandel in der Firmenkultur bewirken und die Expansion außerhalb Japans vorantreiben. Der Kosmetikkonzern Shiseido holte den Deutschen Carsten Fischer als Leiter des Auslandsgeschäfts.
Als problematisch erweist sich vor allem die japanische Unternehmenskultur, bei der persönliche Beziehungen die zentrale Rolle spielen. Das macht es für Neulinge schwer, etwas zu bewegen. Japans Spitzenkräfte hätten zumeist an Elite-Universitäten studiert und sich nach dem Abschluss ihrem heutigen Arbeitgeber angeschlossen, sagt George Olcott, der bei zwei japanischen Firmen im Aufsichtsrat sitzt. "Bei dieser Art von verschlossener Gemeinschaft ist es für Außenstehende sehr schwierig, ein vollwertiges Mitglied zu werden."
Renault-Nissan-Chef Ghosn sagt, um ein japanisches Unternehmen zu führen, müsse man sehr genau darauf achten, wie man verstanden wird. Man solle "viel handeln, wenig reden und viel leisten".
Allen jüngeren Rückschlägen zum Trotz bringt die Globalisierung einen gesteigerten Bedarf an ausländischen Firmenchefs mit sich, sagen Personalberater. Die Expansion über Japans Grenzen hinaus wecke bei traditionellen japanischen Firmen Besorgnis, weil es der Führungsebene an Vielfalt mangele, sagt Olcott.
Da Wachstum immer stärker außerhalb Japans erzielt wird, hätten Japans Firmen keine andere Wahl, als internationaler zu werden, sagt auch Salsberg von McKinsey.