Die Kosten für das Stahlwerk in Brasilien laufen komplett aus dem Ruder. Doch eine Pflichtverletzung des früheren Chefs Ekkehard Schulz sehen Juristen nicht - einige Aktionäre schon.
Der Mischkonzern ThyssenKrupp wird von seinem ehemaligen Chef Ekkehard Schulz wohl keinen Schadenersatz wegen der Kostenexplosion bei dem neuen Stahlwerk in Brasilien fordern. Sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat von ThyssenKrupp hätten sich von Beginn an intensiv mit den Stahlwerksprojekten in Brasilien und den USA befasst, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.
Wegen der Abschreibungen von 2,1 Mrd. Euro in der Sparte Steel Americas im Geschäftsjahr 2010/11 hatten externe Rechtsanwälte die Einhaltung der Pflichten durch alle Vorstands- und Aufsichtratsmitglieder geprüft. "Nach dem Ergebnis der Prüfungen liegen keine Anhaltspunkte für eine Verletzung der Sorgfaltspflichten von Vorstand und Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG vor."
"Gerhard Cromme ist für das Amerika-Desaster mit verantwortlich"
Schulz hatte seine Spitzenämter in Aufsichtsrat und Krupp-Stiftung im Dezember verloren und die Verantwortung für das Amerika-Debakel übernommen. Er zog damit die Konsequenzen aus den Milliardenverlusten, die dem Konzern durch den in seiner Amtszeit beschlossenen Bau des Stahlwerks in Brasilien und den USA entstanden sind.
Der Konzern hatte im Dezember angekündigt zu prüfen, ob er zu Schadenersatzforderungen gegen Schulz verpflichtet ist. Unter der Führung des vor einem Jahr abgetretenen Vorstandschefs waren die Kosten für das Stahlwerk in Brasilien von ursprünglich 1,3 Mrd. Euro auf über fünf Mrd. Euro gestiegen.
Mit der Erklärung reagierte der Konzern auf Gegenanträge zur Hauptversammlung am 20. Januar. Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre hat im Zusammenhang mit dem Stahlwerk in Brasilien die Hauptversammlung aufgefordert, dem Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Schulz habe bereits Konsequenzen gezogen und sei zum 31. Dezember aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. "Diesem Beispiel sollte nun auch der Aufsichtsratvorsitzende Gerhard Cromme folgen, der seiner Aufsichtspflicht gegenüber dem Vorstand nicht nachgekommen ist und damit für das Amerika-Desaster mit verantwortlich ist", forderte der Verband.
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