Die Energiewende in Deutschland ist beschlossene Sache. In unserer Serie zeigen wir, wie sich Ökostrom am besten speichern lässt, wie viele neue Stromleitungen das Land braucht und wie hiesige Hersteller vom Ausbau den erneuerbaren Energienanlagen profitieren.
Das "schwarze Gold" hat seinen Glanz noch nicht verloren: 42 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Braun- und Steinkohle. Und auch weltweit liegt diese Energiequelle vorne: Sie erzeugt 40 Prozent des Stroms. Dem Energiefahrplan 2050 der Europäischen Kommission zufolge ist Kohle wichtig für die Versorgungssicherheit in der EU. Die Kommission setzt auf saubere Technologien wie die CO2-Abschneidung. Dazu passt, dass 2011 das zweite Jahr in Folge ist, bei dem die EU-Staaten mehr Kapazität zugebaut als stillgelegt haben. In Deutschland hingegen wird Kohle immer unwichtiger: 2050 soll sie noch 12 Terawattstunden (TWh) Strom liefern, 2010 waren es noch 280 TWh.
Diese Energiequelle sorgt für 16 Prozent der weltweiten Stromerzeugung und macht damit 84 Prozent des erneuerbaren Stroms auf der Welt aus. Auch im Wachstum ist Wasserkraft führend: Absolut gesehen wuchs sie in den letzten fünf Jahren mit 320 TWh stärker als alle anderen Erneuerbaren zusammen. Dafür ist hauptsächlich der massive Ausbau in China verantwortlich. Doch das Ende der Entwicklung ist bereits in Sicht: Die Potentiale in den meisten Industrieländern sind erschöpft, für Deutschland wird ihr Anteil von drei Prozent an der Stromerzeugung bis 2050 etwa gleich bleiben.
Die Energiequelle mit der größten Dynamik. In der EU flossen 1990 noch 0,01 TWh, 20 Jahre später waren es bereits 22,4 TWh. Allein im Jahre 2011 trug sie beinahe die Hälfte des Ausbaus von grünen Quellen in der EU - 21,5 Gigawatt (GW) wurden an neuen Kapazitäten zugebaut. In Deutschland ist die Sonnenenergie mit geschätzten 13,5 Prozent Wachstum pro Jahr bis 2020 die am schnellsten wachsende erneuerbare Energiequelle. Aktuell liefert sie zwar etwa drei Prozent des deutschen Stroms, dennoch hängen 125.000 Arbeitsplätze an der Solarenergie.
In Deutschland lieferten Windkraftanlagen unter allen Erneuerbaren den meisten Strom: 7,6 Prozent. Das sind fast 40 Prozent des Grünstromaufkommens. Knapp hinter der Photovoltaik wird sie in Deutschland mit einem geschätzten jährlichen Zuwachs von elf Prozent zur zweitdynamischsten Energiequelle. Global gesehen ist China der wichtigste Akteur: das Land machte 2011 mit 18.000 MW beinahe die Hälfte des Zubaus aus. Deutschland hingegen hat in der EU die größten Kapazitäten, außerdem hängen über 100.000 Arbeitsplätze an der Technologie. Ihre Bedeutung für die Stromerzeugung wird gerade für Deutschland künftig weiter ansteigen: von fast 40 TWh im Jahr 2010 auf über 260 TWh im Jahr 2050.
Nach der Windenergie ist Biomasse die zweitwichtigste Quelle unter den Erneuerbaren in Deutschland - sie liefert fünf Prozent des Stroms, was etwa 30 TWh entspricht. 2050 soll sie in Deutschland 60 TWh Strom liefern. Besonders der Trend zum Strom aus Biogas hält an. In der EU ist Biomasse mit 18,5 Prozent die drittwichtigste erneuerbare Quelle.
Eine Stromquelle, die in der EU und weltweit gleichermaßen wichtig ist: Je über 20 Prozent des Stroms kommen aus Erdgas. Gerade als Ersatz für Kohleverfeuerung wird Erdgas zukünftig wichtiger - denn die C02-Emissionen sind niedriger. Außerdem können Gasturbinenkraftwerke schnell gestartet werden und so bei Spitzenlast den Strombedarf sichern. In Deutschland sorgt Erdgas als drittwichtigste Quelle für fast 14 Prozent des Stroms. Langfristig wird die Bedeutung von Erdgas aber sinken.
Auch wenn Deutschland bis 2022 komplett aussteigt: Kernkraft bleibt in der EU eine wichtige Energiequelle - so steht es im Energiefahrplan der Kommission. Energiekommissar Günther Oettinger prognostizierte, dass ihr Anteil von einem Drittel an der Stromerzeugung mittelfristig wohl erhalten bleibt. Und während Belgien, Spanien und die Schweiz aussteigen, planen oder bauen andere neue Kraftwerkte: gerade osteuropäische Länder wie Tschechien, die Slowakei oder Rumänien rüsten auf, ebenso Polen.