Energiewende:RWE prophezeit Flaute für Offshore-Windanlagen
Die Bundesregierung hat das Ziel ausgerufen, bis 2020 Hochsee-Windräder mit einer Leistung von 10.000 Megawatt zu errichten. RWE-Spartenchef Bünting sagt voraus, dass der Plan an fehlenden Netzanschlüssen scheitern wird.
von Kathrin WernerHamburg
RWE hält die erste Etappe der Energiewende für unmöglich. Eigentlich plant die Bundesregierung, bis 2020 Windräder mit einer Leistung von 10.000 Megawatt in Nord- und Ostsee zu bauen. "Das schaffen wir nicht mehr", sagte Hans Bünting, Noch-Finanzvorstand und bald Chef der RWE-Erneuerbaren-Sparte Innogy, am Dienstag in Hamburg. "Dazu müsste eigentlich schon jetzt jeden Tag eine Turbine installiert werden." Schuld sei ein Verzug beim Anschluss der Windparks an das Stromnetz. Dafür sind kilometerlange Kabel durchs Meer bis ans Festland nötig. Die Verzögerungen schreckten Investoren ab.
Der Offshore-Windpark Lillgrund im Öresund zwischen Malmö und Kopenhagen
Büntings Wort hat Gewicht: RWE ist derzeit der drittgrößte Investor, der in Europa Offshore-Windparks in Bau hat. Sein Aufruf ist daher ein Alarmsignal für die Bundesregierung. Für ihre Energiewende ist sie auf Investitionen von Konzernen wie RWE angewiesen. Nach der ersten Offshore-Etappe - 10.000 Megawatt bis 2020 - plant sie, dass bis 2030 Windräder auf hoher See mit 25.000 Megawatt die Atomkraft ersetzen. Allerdings hat Bünting Interesse an Alarmismus: Unter Druck dürfte die Bundesregierung schneller Offshore-freundliche Entscheidungen treffen.
Der Ausbau der Offshore-Windenergie stockt. Während im Jahr 2010 neue Windräder mit einer Gesamtleistung von 883 Megawatt in Europas Meere gesetzt wurden, waren es 2011 nur noch 866 - dabei müsste der Bau eigentlich boomen. Etliche Konzerne hoffen auf das Geschäft. Hochtief will etwa zusammen mit dem Finanzinvestor Ventizz Capital den Windpark Nautilus II bauen.
Wenn nicht bald eine Lösung für den Netzanschluss gefunden wird, sei der Markt tot, warnte Bünting. Für die Stromkabel ist der Netzbetreiber Tennet zuständig. Ihm fehlt aber Geld, außerdem kommen Kabel- und Netztechnikhersteller mit der Lieferung nicht hinterher. "Uns fehlt Planungssicherheit", sagte Bünting. "Für uns ist es nicht möglich, so überhaupt Investitionsentscheidungen zu treffen." Da Offshore-Projekte eine lange Vorlaufzeit haben, sei deshalb das Ziel für 2020 "nicht mehr realistisch".
Der Konzern hat mit seinem ersten deutschen Offshore-Projekt leidige Erfahrungen gemacht: Der Netzanschluss des Windparks Nordsee Ost verzögert sich um ein Jahr. Daraus entsteht RWE ein Einnahmeausfall von 300 Mio. Euro. Hinzu kommen Kosten, weil RWE beauftragte Zulieferer vertrösten muss. Bünting prüft daher eine Schadensersatzklage gegen Tennet. Der niederländische Konzern, der 2010 das Hochspannungsnetz von Eon kaufte, macht hohe Investitionen für die Verzögerungen verantwortlich. "Tennet wusste von Anfang an, was auf sie zukommt", so Bünting. "Es ist keine Überraschung, dass jetzt Milliarden fällig sind."
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