FTD.de » Unternehmen » Milliardenlöcher bei Betriebsrenten

Merken   Drucken   16.02.2009, 11:43 Schriftgröße: AAA

Folge der Krise: Milliardenlöcher bei Betriebsrenten  

Angelsächsische Firmen stecken das Geld für ihre betriebliche Altersvorsorge traditionell in Fonds mit hohem Aktienanteil. Dass auch deutsche Unternehmen diesem Vorbild folgten, rächt sich nun. Betroffen sind vor allem Großkonzerne. von Anja Krüger und Herbert Fromme (Köln)
"Anders als englische oder amerikanische Firmen müssen sie aber nicht sofort Geld nachschießen", sagte Norbert Seeger vom Kölner Beratungshaus Heubeck der FTD. Auch in den Bilanzen werde der Wertverlust nicht auf Anhieb sichtbar sein, wohl aber mittelfristig viel Liquidität kosten.
Sagen Arbeitgeber Beschäftigten eine Betriebsrente zu, müssen sie dafür Rückstellungen bilden. Dieses Geld ist in betriebseigenem Vermögen wie Maschinen angelegt oder in Unterstützungs- und Pensionskassen. Vor allem Großkonzerne sind in den vergangenen Jahren einen neuen Weg gegangen: Forderungen von Analysten und Ratingagenturen folgend haben sie große Vermögenswerte für Betriebsrenten in Treuhandgesellschaften ausgelagert, die Contractual Trust Arrangements (CTA) - darunter oft Anteile an Firmen und Aktien. Durch die Auslagerung sinkt der Fremdkapitalanteil in der Bilanz.
"Auslagerung wird kritischer betrachtet"
"Die Auslagerung wird kritischer betrachtet werden", sagte Klaus Heubeck, renommierter Experte für betriebliche Altersversorgung. Er stand der Auslagerung stets skeptisch gegenüber. Seiner Meinung nach haben Unternehmen mehr davon, wenn sie die für die Auslagerung erforderliche Liquidität im Betrieb lassen. "Die durch die Finanzkrise ausgelösten Wertverluste haben eine Größenordnung von bis zu 30 Prozent", warnte Heubeck.
Wie hoch die Deckungslücken genau sind, lasse sich selbst nach Veröffentlichung der Bilanzen für 2008 nicht exakt beziffern. Denn Unternehmen können auf ein Corridor Accounting genanntes Glättungsverfahren zurückgreifen. Sie müssen die Differenz zwischen den finanziellen Verpflichtungen und dem Vermögen in einem CTA nicht sofort zeigen, sie aber im Laufe der kommenden Jahre ausgleichen. Ein Konzern kann also Gewinne ausweisen, faktisch aber aufgrund seiner nicht gedeckten Verpflichtungen gegenüber späteren und heutigen Betriebsrentnern in den roten Zahlen stecken.
Nach einer Untersuchung des Beratungshauses Rauser Towers Perrin droht den Firmen im Dax und im MDax durch den geschrumpften Wert der Pensionsrückstellungen ein Verlust von 20 Mrd. Euro. Allerdings wird der faktische Wertverlust teilweise durch die aktuelle Erhöhung des Zinssatzes kompensiert, mit dem die Wertentwicklung der Betriebsrenten berechnet wird. Er richtet sich nach dem Zins für Unternehmensanleihen.
2007 hatten Dax-Konzerne Pensionsverpflichtungen von 211 Mrd. Euro, MDax-Unternehmen kamen auf 33 Mrd. Euro, so Rauser Towers Perrin. Dem standen Pensionsvermögen von 150 Mrd. Euro und 18 Mrd. Euro gegenüber.
  • Aus der FTD vom 16.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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