Auf Herz und Nieren werden Manager in vielen Firmen geprüft
Franz Netta kann wieder ruhig schlafen. Dass er an nächtlichen Atemaussetzern litt, erfuhr der Manager erst spät. Unter Nettas Leitung war bei Bertelsmann 2000 ein umfangreiches System medizinischer Check-ups für Führungskräfte eingeführt worden.
Als der 58-Jährige sich ein Jahr nach dem Start selbst untersuchen ließ, bewies sich die Richtigkeit der Vorsorgeidee: Die Ärzte diagnostizierten bei ihm Atemprobleme, die das Risiko eines Herzinfarkts erheblich erhöhen, wenn sie nicht behandelt werden.
Mittlerweile lassen sich bei Bertelsmann rund 60 Prozent der Führungskräfte nach modernsten Erkenntnissen der Medizin durchleuchten - Tendenz steigend. Der Medienkonzern hat mit Betriebsärzten und Präventivmedizinern ein umfassendes Untersuchungsprogramm ausgearbeitet.
"Die Investition von rund 300.000 Euro jährlich zahlt sich aus für uns", sagt Netta. Es seien in etlichen Fällen gefährliche Krankheiten entdeckt und letztlich sogar Leben gerettet worden.
Nach Expertenschätzungen nimmt jeder dritte Manager in Deutschland die Möglichkeit regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen wahr. Längst schicken Tchibo, DaimlerChrysler oder die Deutsche Bank ihr Führungspersonal zu privaten Komplettchecks in Spezialkliniken.
Langfristige Investition in die Gesundheit
In den Unternehmen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass beruflich nur erfolgreich sein kann, wer langfristig in seine Gesundheit investiert. Deshalb übernehmen sie auch die Kosten der Untersuchungen, die zwischen 1000 und 2400 Euro betragen können.
Ein lukrativer Markt also für alteingesessene Gesundheitsfirmen wie Prevent, DKD in Wiesbaden oder Skolamed, die sich das Geschäft mit neuen Anbietern wie dem Göttinger Präventions-Centrum oder dem erst Ende April eröffneten Medizinischen Präventions-Centrum Hamburg (MPCH) teilen.
Immer mehr Institute, Kliniken und Ärzte konzentrieren ihre Hauptaktivitäten auf Manager. "Es handelt sich um einen Megatrend", sagt Wolfram Pfeiffer von Prevent, ein Unternehmen, das seit 25 Jahren deutschlandweit in der Früherkennung aktiv ist. "In den vergangenen drei Jahren boomte das Geschäft. Wir haben jährliche Zuwachsraten von 20 Prozent", berichtet Pfeiffer.