Nach dem Chaos um die versehentlich zu früh veröffentlichte Quartalsbilanz von Google zeigt sich Konzernchef Larry Page zerknirscht: Er entschuldigt sich in einer Telefonkonferenz mit Analysten am Abend für den Wirbel. Er bedauere das Durcheinander, sagte Page in einer Telefonkonferenz. Es war sein zweiter Auftritt nach mehrmonatiger Abwesenheit, weil er seine Stimme verloren hatte. Page sprach noch leise, langsam und mit einiger Mühe.
Es war ohnehin kein leichter Auftritt: Die Aktie des Konzerns war in der Folge um mehr als zehn Prozent abgestürzt und zeitweilig vom Handel ausgesetzt worden. Sie schloss schließlich rund acht Prozent leichter bei 695 Dollar. Der Absturz ist vor allem den massiv gestiegenen Kosten durch die Motorola-Übernahme und dem Rückgang der Werbeeinnahmen geschuldet.
Der Patzer hat Milliarden an Börsenwert vernichtet. Google veröffentlichte seine Geschäftszahlen zum dritten Quartal am Donnerstag noch während des laufenden Börsenhandels in New York. Zuerst herrschte Verwirrung, dann drückten die Händler auf den Verkaufsknopf. Die in Großbuchstaben gesetzte Zeile in der Mitteilung "Zitat von Larry steht noch aus" deutete auf einen Patzer hin. Parallel zur Veröffentlichung ging bei Journalisten eine Erinnerung von Google per E-Mail ein, dass die Bilanz am Nachmittag vorgelegt würde.
Der Überschuss fiel im dritten Quartal um 20 Prozent auf 2,18 Mrd. Dollar . Ohne bestimmte Sonderposten verdiente Google 9,03 Dollar je Anteilsschein. Analysten hatten mit 10,65 Dollar je Dividendenpapier gerechnet. Der Nettoumsatz betrug 11,3 Mrd. Dollar. Experten waren im Durchschnitt indes von 11,9 Mrd. Dollar ausgegangen.
Google leidet unter dem Trend, dass immer mehr Nutzer mobil im Internet sind, wo weniger Geld für Werbung verlangt werden kann. Der durchschnittliche Preis, den werbetreibende Unternehmen Google für jeden Klick bezahlen müssen, ist verglichen mit dem Vorjahresquartal um rund 15 Prozent gesunken. Der Konzern kann für Werbung im Browser auf dem PC höhere Preise verlangen. "Das Kerngeschäft verlangsamt sich", sagte Colin Gillis, Analyst bei BGC Partners der Nachrichtenagentur Bloomberg. Werbung ist die wichtigste Einnahmequelle von Google - allen voran die hervorgehobenen Links der Suchmaschine, aber immer mehr auch grafische Werbeanzeigen, die überall im Web auftauchen.
Eine Google-Sprecherin schob die Schuld für den Fehler auf die Dienstleistungsfirma RR Donnelly, die eine unfertige Mitteilung ohne Genehmigung veröffentlicht habe. Google hatte später die Mitteilung um fehlende Zitate ergänzt. "Wir hatten ein starkes Quartal", zitierte das Unternehmen den Konzernchef. Die Anleger kauften ihm die Botschaft nicht ab: Auch nach der Wiederaufnahme des Handels lag das Papier deutlich im Minus. Aktien von RR Donnelly fielen ebenfalls.
Üblich ist, dass sie nach dem Ende des regulären Handels an der Technologiebörse Nasdaq in New York um 22 Uhr deutscher Zeit mitgeteilt werden, damit jeder Anleger die Zeit hat, sich in das Zahlenwerk zu vertiefen und es nicht zu vorschnellen Reaktionen kommt. Der Composite-Index fiel vor dem Hintergrund der Google-Panne um 1,01 Prozent auf 3072,87 Punkte, und der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 1,13 Prozent auf 2744,17 Punkte. Auch im breit aufgestellten S&P 500-Index ist die Google-Aktie enthalten: Er fiel um 0,24 Prozent auf 1457,34 Zähler.
Motorola erwies sich einmal mehr als Verlustbringer. Die Tochter verlor operativ 527 Mio. Dollar. Bereits als eigenständiges Unternehmen hatte der Handyhersteller zuletzt fast durchgängig rote Zahlen geschrieben angesichts der starken Konkurrenz durch Apples iPhone und die Android-Handys von Samsung. Für Google war Motorola aber wegen der zahlreichen Patente des Branchenurgesteins wertvoll. Apple hatte einen regelrechten Patentkrieg vom Zaun gebrochen und wirft zahlreichen Smartphone-Herstellern vor, Ideen abgekupfert zu haben.
(FTD, DPA, Bloomberg)