Der Motorenbauer Deutz hat nach Einbußen im ersten Halbjahr mit einer deutlichen Prognosesenkung seine Anleger verschreckt. Ausgerechnet das mit vielen Hoffnungen verbundene Chinageschäft schwächelt. Auch deswegen verlor die Aktie des Kölner Traditionsunternehmens am Donnerstag zeitweise mehr als sieben Prozent und war größter MDAX -Verlierer.
Vorstandschef Helmut Leube hatte bereits Mitte Juli die Prognose gesenkt, auf eine neue jedoch zunächst verzichtet. Er peilt nun einen Umsatz von 1,3 bis 1,4 Mrd. Euro nach 1,5 Mrd. im Vorjahr an. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) soll bei 3,0 bis 4,0 Prozent liegen nach 6,0 Prozent 2011.
"Wir konnten im ersten Halbjahr nicht an den guten Start in das Geschäftsjahr anknüpfen, dies ist insbesondere eine Folge der gesamtwirtschaftlichen Situation, die derzeit noch mit großen Unsicherheiten behaftet ist", sagte Leube. Das Geschäft von Deutz gilt als sehr konjunkturanfällig. Eine wirtschaftliche Flaute schlägt umgehend auf den Verkauf von Motoren für Lastwagen, Baumaschinen oder Landmaschinen durch, weil sich die Kunden mit Investitionen zurückhalten. Im ersten Halbjahr habe sich dies in Europa und Asien bemerkbar gemacht. Während das Unternehmen in Amerika den Absatz deutlich erhöhte, gingen die Zahlen in Europa und Asien um 18 beziehungsweise elf Prozent zurück.
Insgesamt fiel der Motorenabsatz von Januar bis Ende Juni auf knapp 94.000 von 107.000 im Vorjahreszeitraum. Vor allem beim Absatz von Landmaschinen wie etwa Traktoren musste Deutz Einbußen hinnehmen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) schmolz um die Hälfte auf 21,6 Mio. Euro. Neben dem Produktionsrückgang trugen hierzu nach Angaben des Konzerns auch Anlaufkosten für neue Geschäfte und die Markteinführung neuer Motoren bei.
Deutz will mit neuen Motoren und in neuen Märkten wie etwa China zulegen. "Aus Asien und China kommt das wichtigste Wachstum für Deutz", sagte Finanzchefin Margarete Haase. Dabei soll es auch bleiben. In der chinesischen Stadt Shandong baut der Konzern ein Gemeinschaftsunternehmen zur Produktion von Motoren auf. Es soll 2013 in Betrieb gehen. "Die langfristigen Perspektiven in China stehen für Deutz auf Wachstum", sagte auch ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte. Er zeigte sich zugleich überrascht über die hohen Kursverluste der Aktie. Möglicherweise hätten einige Marktteilnehmer ihre Einschätzungen nach der Rücknahme der alten Prognose im Juli nur unzureichend aktualisiert. Angesichts der Absatzrückgangs sei der jetzige Ausblick realistisch.