Der US-Ölkonzern steht vor hohen Strafforderungen: Weil das Unternehmen Rückstände im Amazonasgebiet von Bohrungen falsch entsorgt haben soll, droht nun eine Geldstrafe in Milliardenhöhe.
Wegen Umweltverschmutzung im Amazonasgebiet soll der zweitgrößte US-Ölkonzern Chevron in Ecuador 18 Mrd. Dollar Schadensersatz zahlen.
Ein Berufungsgericht bestätigte am Dienstag das Urteil einer ersten Instanz vom Februar. Damals wurde der Ölkonzern zunächst zu einer Zahlung von 8,6 Mrd. Dollar verdonnert. Die Summe wurde aber später mehr als verdoppelt, weil Chevron sich nicht - wie in dem Urteil gefordert - öffentlich entschuldigte. Das Urteil werde in allen Teilen bestätigt, auch in der Frage der moralischen Wiedergutmachung, teilte nun das Gericht in der Stadt Lago Agrio mit.
Der Rechtsstreit hat eine lange Geschichte: Vor etwa 18 Jahren hatten Einwohner der Region geklagt, weil das US-Ölunternehmen Texaco Rückstände von Ölbohrungen falsch entsorgt und so weite Flächen des Regenwaldes verunreinigt haben soll. Chevron hatte Texaco 2001 übernommen. Dies habe zu Krankheiten und Todesfällen unter den Ureinwohnern geführt. Chevron hatte gegen das erste Urteil Berufung eingelegt und unter anderem argumentiert, dass Texaco alle Ölrückstände beseitigt habe, für die das Unternehmen verantwortlich gewesen sei. Auch die Kläger hatten das Urteil angefochten und eine höhere Entschädigung gefordert.
Chevron sprach am Dienstag von einer unrechtmäßigen Entscheidung und einem Betrug und kündigte an, vor einem Gericht in den USA dagegen vorzugehen. Das Unternehmen hat auch noch die Möglichkeit, vor Ecuadors oberstes Gericht zu ziehen.
Ecuadors linker Präsident Rafael Correa begrüßte dagegen das Urteil. "Der Gerechtigkeit wurde genüge getan", sagte er und sprach von einem Kampf zwischen David gegen Goliath. Niemand könne den Schaden leugnen, den Chevron dem Amazonas-Gebiet zugefügt habe.
Der Fall hat international Aufsehen erregt. Öl-Unternehmen befürchten, dass er zu einem Präzedenzfall werden könnte. Erst kürzlich wurde Chevron in Brasilien wegen einer Ölverschmutzung bei Bohrungen vor der Küste bei Rio de Janeiro auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt. Dem US-Ölkonzern Chevron drohen wegen eines Bohrunfalls harsche Konsequenzen auf einem seiner wichtigsten Zukunftsmärkte. Am Montagabend verhängte die Umweltbehörde Ibama eine erste Strafe von umgerechnet 20,5 Mio. Euro gegen das Unternehmen.
Chevron und der Plattformbetreiber Transocean könnten zudem Förderrechte für die brasilianische Tiefsee verlieren. Der Umweltminister des Bundesstaats Rio de Janeiro, Carlos Minc will die Lizenzen prüfen lassen. Brasilien zählt mit seinen riesigen Ölvorkommen zu den wichtigsten Förderregionen für die Energiekonzerne. Allein in der See vor Rio sollen bis zu 50 Milliarden Barrel (je 159 Liter) ruhen. Bis 2020 will das Land zum drittgrößten Ölförderer hinter Russland und Saudi-Arabien aufsteigen. Chevron hatte 2009 Investitionen in Brasilien von 5 Mrd. Dollar angekündigt.
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