26.11.2009, 12:30
Pannenversorger: Schweden kann von Vattenfall nicht lassen
Der Versorger macht dem schwedischen Staat schwere Probleme. Die Regierung hat das Vertrauen in die Führung des Staatsbetriebes verloren, kann sich aber nicht mit dem Gedanken anfreunden, sich aus Vattenfall zurückzuziehen. Regierungschef Reinfeldt erwägt einen Teilverkauf.
von Matthias Brügge
Vattenfall hat seinen Ruf gründlich ruiniert. Mit den Pannenserien in den deutschen Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel, die von Vattenfall betrieben werden, hat Europas fünftgrößter Stromerzeuger die deutsche Atomaufsicht erzürnt. Im Heimatland Schweden machte der Kraftwerksbetreiber Schlagzeilen nach Versagen der Notstromanlage im Kernkraftwerk Forsmark und Alkoholexzessen von Bauarbeitern im Kraftwerk Ringhals. Kurz: Der schwedische Staat hat ein massives Problem mit seiner 100-prozentigen Tochter. Erst vor zwei Wochen wurde Vattenfall-Chef Lars G. Josefsson abgerufen, der Norweger Öystein Löseth soll beim Stromversorger aufräumen.
Die Personalie allein scheint nicht auszureichen. Nun erwägt Schweden den Verkauf eines Teils von Vattenfall - und erzeugt damit ein neues Problem. Denn einerseits ließe sich Vattenfall als Staatsbetrieb im Sinne der Regierung kontrollieren. Andererseits lockt der Gewinn aus einer Privatisierung. In diesem Dilemma stecken viele europäische Regierungen: Dem Spagat zwischen einer Entlastung der hochverschuldeten Haushalte und der politischen Kontrolle über Konzerne.
Im Fall von Schweden ist wohl beides erwünscht. So sagte Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt dem schwedischen Radio am Mittwoch, Stockholm wolle die Kontrolle über Vattenfall nicht aufgeben. Auch sei kein schneller Verkauf des großen Unternehmens geplant. "Wir glauben jedoch, eine Form einer Minderheitsbeteiligung könnte interessant sein", fügte Reinfeldt hinzu.
Nun ist das Verhältnis zwischen Vattenfall und der Regierung und Unternehmensführung schwer belastet. Als wäre die Pannenserie noch nicht genug, ist Stockholm verschnupft, weil der Konzern zu sehr auf konventionelle Brennstoffe setzt. Das konterkariert das umweltfreundliche Image Schwedens. Die ungeschickte Kommunikation zu den bisherigen Pannen brachten das Unternehmen zusätzlich in Misskredit. Wenn nun ein Teil von Vattenfall verkauft würde, könnte die Regierung weiter an Einfluss über einen Konzern verlieren, den sie ohnehin nicht im Griff hat. Die Vermutung liegt nahe, dass Stockholm alles will, aber das nicht.
Ein Vattenfall-Tanklastzug vor dem Braunkohle-Kraftwerk Schwarze Pumpe
Schon jetzt hat die Mitte-Rechts-Regierung Schwedens das größte Privatisierungsprogramm in der Geschichte des Landes auf den Weg gebracht, aber immer nur Teile von Staatsbetrieben veräußert. Seit dem Amtsantritt 2006 hat die Regierung einen Teil ihrer Anteile an der Telekomfirma
TeliaSonera , dem Hersteller von Absolut-Vodka Vin & Sprit und dem Immobilienunternehmen Vasakronan verkauft. Rund 20 Prozent der größten Bank Skandinaviens,
Nordea , befinden sich noch in staatlichem Besitz sowie Beteiligungen an über 50 weiteren Firmen.
Teil 2: Rumpelnder Verkauf des deutschen Stromnetzes
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FTD.de, 26.11.2009
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