FTD.de » Unternehmen » Wie man Patienten um den Finger wickelt

Merken   Drucken   14.05.2011, 15:00 Schriftgröße: AAA

Pillentrick des Pharmalobbyismus: Wie man Patienten um den Finger wickelt

Um ihre teuren Medikamente zu verkaufen, unterwandern manche Arzneimittelhersteller sogar Selbsthilfegruppen, Ärzte werden beiseite geschoben. Anstatt das Treiben zu unterbinden, heizt die Politik es noch an. Die Einflussnahme wird immer dreister.
© Bild: 2011 FTD/Malte Knaack
Um ihre teuren Medikamente zu verkaufen, unterwandern manche Arzneimittelhersteller sogar Selbsthilfegruppen, Ärzte werden beiseite geschoben. Anstatt das Treiben zu unterbinden, heizt die Politik es noch an. Die Einflussnahme wird immer dreister. von Melanie Bergermann und Annette Rueß
Wie Klaus Rodens das nervt! Wenn die Eltern seiner kleinen Patienten in seiner Praxis stehen, ihn mit "ihren halbseidenen Pseudoinfos aus dem Internet" bombardieren und dann spezielle Medikamente bestellen. Meine Tochter hustet so stark, sie braucht Mucosolvan. Mein Sohn kommt in der Schule nicht mit, er benötigt die Psychopille Ritalin.
Der Kinderarzt, der seit 1993 eine Praxis in Langenau bei Ulm hat, nimmt sich dann fünf Minuten Extrazeit und erklärt den Müttern und Vätern ausführlich, was ihr Kind wirklich hat und braucht. Oft ohne Erfolg: "Wenn die sich das in den Kopf gesetzt haben, dann wollen sie auch ein Rezept", sagt Rodens.
Hilfe vom Doktor   Hilfe vom Doktor
Früher haben sich Patienten auf den Rat ihres Arztes verlassen. Er stellte die Krankheit fest und bestimmte die Therapie. Doch die Zeiten sind vorbei. Bevor die Kranken heute in die Sprechstunde kommen, haben sie meist ausführlich über ihr Leiden recherchiert und wollen Einfluss auf die Behandlung nehmen.
Das ärgert nicht nur die Ärzte, sondern sorgt für einen Umbruch im Milliardenmarkt der Arzneimittelhersteller. Wolf-Dieter Ludwig, Chefarzt für Hämatologie und Onkologie am Helios Klinikum Berlin-Buch, beobachtet schon seit Längerem, "wie die pharmazeutische Industrie ihr Interesse von den Ärzten hin zu den Patienten verlagert".
Die Kassenschlager   Die Kassenschlager
Der immer härtere Konkurrenzkampf und der Kostendruck führen dazu, dass Pharmakonzerne massiv und systematisch Patienten vereinnahmen, um die Verkaufszahlen ihrer teuren Medikamente hochzutreiben. Statt das Treiben zu unterbinden, heizt die Politik es mit der Gesundheitsreform auch noch an.
Zwar ist es in Deutschland verboten, für verschreibungspflichtige Medikamente zu werben, doch die Unternehmen haben ihre ganz eigenen Kanäle, um Patienten von ihren Präparaten zu überzeugen: scheinbar unabhängige Informationsportale, Broschüren zu diversen Krankheiten oder Patientenorganisationen, die sie als Botschafter für ihre Interessen einspannen.

Der pseudoinformierte Patient

Gefunden bei: capital.de

  • capital.de, 14.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Standortfrage: China ist kein Auslaufmodell

    Das Gerede von der Abwanderung europäischer Unternehmen an billigere Standorte ist alles andere als neu. Aber wirklich gegangen ist kaum jemand. Denn China ist als Absatzmarkt viel zu wichtig. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Von BASF bis ThyssenKrupp Das deutsche Chefwechseljahr

Bilderserie

  09:30 Wirtschaft Facebook-Aktie bis zu zehn Prozent im Minus
Wirtschaft: Facebook-Aktie bis zu zehn Prozent im Minus (00:00:35)

Damit lag die Aktie deutlich unter dem Ausgangskurs von 38 Dollar am 18. Mai. mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6318,76  [-78.08 -1,22%
  Dow Jones 12580,69  [125.86 +1,01%
  Nasdaq Composite 2870,99  [33.46 +1,18%
  Euro Stoxx 50 2129,59  [-30.72 -1,42%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote