Arcandor soll mit einer Neuausrichtung gerettet werden: Die Versandhandelssparte Primondo und die Warenhaussparte Karstadt sollen sich künftig auf das profitable Kerngeschäft konzentrieren, teilte neue Unternehmenschef Karl-Gerhard Eick mit.
115 Quelle-Technikcenter und rund 1500 Quelle-Shops sowie acht Karstadt-Filialen stellt er zur Disposition. Auch das Premiumsegment mit den Luxushäusern KaDeWE in Berlin, Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg will der Konzern opfern. Die Segmente werden künftig in eine eigenen Einheit mit dem Namen "Atrys" weitentwickelt. Auch ein Verkauf steht zur Debatte. Fast jeder Vierte der 51.600 Mitarbeiter im Handelsgeschäft ist davon betroffen.
Damit bricht Konzernchef Eick mit der Strategie seines Amtsvorgängers Thomas Middelhoff, der den Konzern voll auf das Luxussegment ausgerichtet hat und die Premiumkaufhäuser in den vergangenen Jahren aufwändig renovieren ließ. Mit dem Radikalumbau will Eick die Gläubigerbanken Royal Bank of Scotland, Dresdner Bank und Bayern LB überzeugen, dass Arcandor noch zu retten ist.
Insgesamt braucht der Konzern 1,55 Mrd. Euro zum Überleben: Mitte Juni läuft ein Kredit über 650 Mio. Euro aus. Zusätzlich zur anstehenden Refinanzierung benötigt der Konzern für die Sanierung weitere Kredite. Es seien in den kommenden fünf Jahren 900 Mio. Euro notwendig, teilte das Unternehmen mit.
Die Finanzierung dürfte schwierig werden: Die Gläubigerbanken haben selbst mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen und dringen auf eine Kapitalerhöhung duch die Arcandor-Großaktionäre Madeleine Schickedanz und die Bank Sal. Oppenheim. Dieser Aufforderung kommt der Konzern nach: "Wir sind in Gesprächen mit beiden Hauptaktionären", sagte Eick. Er könne sich aber nicht auf einen Zeitpunkt festlegen. Außerdem machte der Arcandor-Chef erneut deutlich, dass der Konzern möglicherweise auf staatliche Hilfen zurückgreifen müsse.
Um Geld zu sparen, will Arcandor den Einkauf bündeln und dadurch bis zu 350 Mio. Euro sparen. Innerhalb von zwei bis drei Jahren sollen Synergien von bis zu fünf Prozent des Arcandor-Einkaufvolumens (ohne Thomas Cook) in Höhe von mehr als 7 Mrd. Euro erzielt werden. Angaben zum Stellenabbau machte der Konzern nicht. Die im MDax gelisteten Arcandor-Titel rutschten zeitweise um rund acht Prozent ab, stabilisierten sich jedoch im Handelsverlauf wieder.
Von seiner profitablen Touristiksparte will sich Arcandor jedoch nicht trennen. "Thomas Cook ist und bleibt Kerngeschäft von Arcandor", hieß es. Zuletzt hatte es immer wieder Gerüchte und Spekulationen gegeben, dass sich Arcandor von der Beteiligung an Thomas Cook, an dem Arcandor derzeit rund 52 Prozent hält, trennen könnte, um die Sanierung im Versandhandel und Warenhausgeschäft zu finanzieren.