General Electric ist eine der größten Anwaltsfirmen überhaupt
Der amerikanische Mischkonzern General Electric (GE) beschäftigt nicht nur Ingenieure, sondern weltweit auch mehr als 1000 Juristen, so genannte "Inhouse Counsels". Der Konzern ist damit eine der größten Anwaltsfirmen überhaupt - mit nur einem einzigen Mandanten: GE.
Andreas Hoffmann ist einer aus diesem Justiziarskreis. Der 42-jährige M&A-Spezialist war bereits Partner der internationalen Großkanzlei Ashurst, als er zu GE Deutschland wechselte und dort den Bereich Commercial Finance übernahm.
Der Fall sorgte für Gesprächsstoff. Wer es einmal zum Partner einer angesehenen Kanzlei gebracht hatte, der blieb dies für gewöhnlich auch. Der Wechsel in die Dienste einer Firma bedeutete für einen Partner mit siebenstelligem Einkommen nämlich meist weniger Gehalt.
Das aber ändert sich langsam. Wenn Unternehmen wie GE gezielt die Spitzenjuristen ihres Fachs haben wollen, sind sie zunehmend bereit, auch für Partner attraktive Vergütungspakete zu schnüren.
Aufgabe als Unternehmensjurist motiviert
Außerdem ist Geld nicht alles - auch die Aufgabe als Unternehmensjurist kann motivieren, der Großkanzlei den Rücken zu kehren. "Als Jurist im Unternehmen ist man näher am Geschäft dran, hat Projektverantwortung und wird früh in strategische Fragen mit eingebunden", sagt Hoffmann über seine Motivation, von Ashurst zu GE zu wechseln.
"Die Nähe zum Geschäft ist einfach eine ganz andere, die rein juristische Arbeit tritt hinter Managementaufgaben zurück." Hoffmann schätzt, dass er selbst nur noch zu rund 40 Prozent rein juristisch arbeitet, bei anderen dürfte die Quote sogar noch niedriger sein.
Für Konzerne wie GE lohnt es sich, hoch qualifizierte Rechtsexperten als Angestellte ins Haus zu holen. Vor allem die Kosten für externe Anwälte sinken dramatisch. Zum einen, weil die "Inhouse Counsels" viele Rechtsfragen selbst beantworten können. Zum anderen auch, weil sie die externen Anwälte viel effizienter und besser steuern und einsetzen können.
Während sich die meisten Firmen genau aus diesen Gründen schon länger eigene Arbeits- oder Wettbewerbsrechtsexperten halten, hat diese Entwicklung nun verstärkt auch das für Anwälte lukrative M&A-Geschäft erreicht.