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  FTD-Serie: Juristen

Ob Spezialisierung, Marketing oder Ausbildung - es hat sich einiges getan in Kanzleien und Hörsälen. Welcher Fachanwalt besonders gefragt ist, warum Kanzleien Mütter einstellen und wann die Selbständigkeit Sinn macht, lesen Sie hier.

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  18.04.2006, 07:00  

Unternehmen werben Spitzenanwälte ab

Für das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen holen Konzerne in Deutschland sich gestandene Partner aus Anwaltskanzleien ins Haus. Der Wechsel bringt beiden Seiten Vorteile. Den Juristen winkt nicht nur eine attraktive Vergütung. von Adrian Schmipf
General Electric ist eine der größten Anwaltsfirmen überhaupt   General Electric ist eine der größten Anwaltsfirmen überhaupt
Der amerikanische Mischkonzern General Electric (GE) beschäftigt nicht nur Ingenieure, sondern weltweit auch mehr als 1000 Juristen, so genannte "Inhouse Counsels". Der Konzern ist damit eine der größten Anwaltsfirmen überhaupt - mit nur einem einzigen Mandanten: GE.
Andreas Hoffmann ist einer aus diesem Justiziarskreis. Der 42-jährige M&A-Spezialist war bereits Partner der internationalen Großkanzlei Ashurst, als er zu GE Deutschland wechselte und dort den Bereich Commercial Finance übernahm.
Der Fall sorgte für Gesprächsstoff. Wer es einmal zum Partner einer angesehenen Kanzlei gebracht hatte, der blieb dies für gewöhnlich auch. Der Wechsel in die Dienste einer Firma bedeutete für einen Partner mit siebenstelligem Einkommen nämlich meist weniger Gehalt.
Das aber ändert sich langsam. Wenn Unternehmen wie GE gezielt die Spitzenjuristen ihres Fachs haben wollen, sind sie zunehmend bereit, auch für Partner attraktive Vergütungspakete zu schnüren.
Aufgabe als Unternehmensjurist motiviert Außerdem ist Geld nicht alles - auch die Aufgabe als Unternehmensjurist kann motivieren, der Großkanzlei den Rücken zu kehren. "Als Jurist im Unternehmen ist man näher am Geschäft dran, hat Projektverantwortung und wird früh in strategische Fragen mit eingebunden", sagt Hoffmann über seine Motivation, von Ashurst zu GE zu wechseln.
"Die Nähe zum Geschäft ist einfach eine ganz andere, die rein juristische Arbeit tritt hinter Managementaufgaben zurück." Hoffmann schätzt, dass er selbst nur noch zu rund 40 Prozent rein juristisch arbeitet, bei anderen dürfte die Quote sogar noch niedriger sein.
Für Konzerne wie GE lohnt es sich, hoch qualifizierte Rechtsexperten als Angestellte ins Haus zu holen. Vor allem die Kosten für externe Anwälte sinken dramatisch. Zum einen, weil die "Inhouse Counsels" viele Rechtsfragen selbst beantworten können. Zum anderen auch, weil sie die externen Anwälte viel effizienter und besser steuern und einsetzen können.
Während sich die meisten Firmen genau aus diesen Gründen schon länger eigene Arbeits- oder Wettbewerbsrechtsexperten halten, hat diese Entwicklung nun verstärkt auch das für Anwälte lukrative M&A-Geschäft erreicht.
Die auf juristische Positionen spezialisierten Headhunter und Personalberater sehen ebenfalls einen Trend zum so genannten Insourcing.
"In England und den USA holen sich zahlreiche internationale Wirtschaftsunternehmen, Banken und Finanzdienstleister schon länger Top-Partner für das M&A-Geschäft aus den großen Law-Firms in ihre eigenen Rechtsabteilungen", sagt Tamara Cohen, die das Frankfurter Büro der Personalberatung Hays Legal leitet. "Deutschland folgt dieser Entwicklung jetzt."
Die Rechtsabteilung des Elektrokonzerns Siemens gewann sogar schon 2005 den Preis des Branchenblatts "Juve" als bestes "Inhouse-Team für Transaktionsmanagement", nachdem die Siemens-Juristen unter anderem maßgeblich an dem erfolgreichen Verkauf der Handysparte an BenQ mitgewirkt hatten.
Wenig externer Rechtsbeistand bei BASF Auch der Chemiekonzern BASF setzt das Insourcing ein. "Unser Unternehmen hat bei einer Reihe von Transaktionen weitgehend auf die Einschaltung externer Rechtsanwälte verzichtet", sagt Patrick Fiedler von der BASF-Zentralabteilung Recht, Steuern und Versicherung. Externer Rechtsbeistand werde zwar nicht grundsätzlich abgelehnt, aber eben in vielen Fällen nur zur Unterstützung bei punktuellen Fragestellungen benötigt.
Die im M&A-Bereich starken Großkanzleien sehen die Entwicklung mit Sorge: "Die Aufstockung der Rechtsabteilungen beeinträchtigt unser M&A-Geschäft. Das Auftragsvolumen sinkt, und unsere Leistungen werden sehr viel genauer überprüft", erzählt ein Anwalt, der anonym bleiben möchte.
Unternehmen in Deutschland jedenfalls haben bisher gute Erfahrungen mit dem Insourcing gemacht. Die Qualität der juristischen Beratung steigt meist, wenn sie Inhouse-Juristen beschäftigen, die das Unternehmen und das Geschäft kennen. "Unsere internen Juristen sind mit dem Tagesgeschäft und den spezifischen Herausforderungen der Unternehmensbereiche, die sie betreuen, sehr gut vertraut", erzählt Fiedler aus der BASF-Rechtsabteilung. Bei Transaktionen Stolpersteine identifizieren "Die genaue Kenntnis der jeweiligen Industrie, der handelnden Personen und Gruppen sowie der Geschäftsentwicklungen hilft, bei Transaktionen potenzielle Stolpersteine frühzeitig zu identifizieren." Da die internen Rechtsexperten bei Übernahmen oder Veräußerungen meist eng mit der Geschäftsführung oder dem Vorstand zusammenarbeiten, ist dies gerade für unternehmerisch denkende Anwälte eine reizvolle Position. Eine weiterführende Karriere ist nicht ausgeschlossen. Max Dietrich Kley etwa startete bereits 1969 seine Karriere in der BASF-Rechtsabteilung - und brachte es bis zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden, bevor er in den Aufsichtsrat wechselte. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.FTD-Bildschirmschoner - aktuelle Nachrichten und Aktienkurse direkt auf den PC.
  • 18.04.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland
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