| Karsten Röbisch ist FTD-Redakteur für Finanzdienstleister. |
Für eine Bilanz der Arbeit von Anshu Jain als Vorstandschef der Deutschen Bank ist es freilich noch viel zu früh. Er fängt ja erst an, offiziell rückt er gemeinsam mit Jürgen Fitschen am Freitag an die Spitze von Deutschlands größter Bank. Dennoch lässt sich schon ein Fazit ziehen: Jain hat die Organisation der Bank umgekrempelt, tiefgreifend und dauerhaft. Er hat die Dominanz der Deutschen im Topmanagement gebrochen und ihm ein internationaleres Antlitz gegeben. Und dafür wurde es höchste Zeit.
Bereits vor der Amtsübernahme hat Jain die Spitzenposten neu verteilt. In den Vorstand rücken ab 1. Juni drei Ausländer: der Österreicher Stephan Leithner als neuer Personal- und Europa-Chef, der künftige Risikokontrolleur Stuart Lewis und Henry Ritchotte, der als Chief Operating Officer für die Arbeitsabläufe zuständig sein wird. Damit stehen künftig vier ausländischen Vorständen drei deutsche gegenüber. Noch deutlicher wird die internationale Prägung im Group Executive Committee (GEC), dem erweiterten Führungsgremium, das einst von Josef Ackermann aufgebaut wurde. Der Zirkel wird von zwölf auf 18 Mitglieder erweitert, doch nur noch sechs von ihnen sind Deutsche.
Hierzulande stößt der Personalumbau bei vielen auf Argwohn, bei Politikern, Kunden und Aktionären ebenso wie bei einigen Mitarbeitern des Instituts. Sie befürchten den Identitätsverlust und den schwindenden Einfluss der Deutschen in jener Bank, die allein schon wegen ihres Namens von vielen als Nationalheiligtum angesehen wird. Doch diese Bedenken sind kleinkariert und unberechtigt.
Die neue Führung wird dem Profil des Instituts wesentlich besser gerecht. Eine Bank, die wie wenige Wettbewerber global so präsent ist, muss diese Realität auch im Topmanagement abbilden. Immerhin arbeitet mehr als die Hälfte der rund 100.000 Mitarbeiter außerhalb Deutschlands. Gemessen am wirtschaftlichen Erfolg ist die Bedeutung des Auslands noch viel größer. Die Investmentbank, vorwiegend in London und New York angesiedelt, steuert immerhin zwei Drittel zum Gewinn bei.
Und die Tatsache ist ja keineswegs neu. Die Wandlung zum Global Player begann bereits mit der Übernahme der britischen Investmentbank Morgan Grenfell 1989. Mit dem Kauf von Bankers Trust knapp zehn Jahre später stieg die Deutsche Bank endgültig zum Global Player auf. Und obwohl die Investmentbank in guten Zeiten bis zu drei Viertel zum Gesamtgewinn beisteuerte, besetzten das Topmanagement mehrheitlich Deutsche oder deutschsprachige Manager. Jain holt also nur nach, was Ackermann versäumt hat: Er sorgt dafür, dass die drei Machtzentren - Frankfurt, London und New York - angemessen in der Konzernspitze vertreten sind.
Das ist sein Vermächtnis, das lässt sich heute schon sagen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass die neue Führungsstruktur wieder verschwindet. Die an die Spitze berufenen Manager werden ihre Positionen und ihren gewachsenen Einfluss verteidigen. Gerade die Chefs jener Länder und Regionen, deren strategische Bedeutung wächst, werden einen ständigen Platz im Führungsgremium beanspruchen.
Die Deutsche Bank kann von der bunten Führungsspitze nur profitieren. Damit zeigt sie ihren Mitarbeitern, dass alle unabhängig ihrer Herkunft die gleichen Aufstiegschancen haben. Das steigert die Motivation und stärkt die Identifikation mit dem Unternehmen. Ohne die Aussicht, eines Tages an die Spitze der Deutschen Bank zu rücken, wäre auch Jain längst gegangen. Und mit ihm wohl die besten Leute.
Die Ängste vor einem schwindenden Einfluss der Deutschen sind ohnehin übertrieben. Mit Jain mag in einigen Bereichen zwar eine neue Kultur einziehen, die Bank bleibt aber im Heimatmarkt stark verwurzelt. Zuletzt hat das Institut mit dem Kauf der Postbank das Inlandsgeschäft noch gestärkt. Und sollte es Privatkundenvorstand Rainer Neske wie geplant gelingen, den Spartengewinn von 1,8 auf 3 Mrd. Euro zu steigern, gewinnt der Bereich automatisch an Einfluss, inklusive seiner eigenen Person.
Die Deutsche Bank sah sich seit jeher im globalen Wettstreit um die besten Köpfe, damit hat sie auch Gehaltssprünge gerechtfertigt. Jain und Fitschen müssen nun sicherstellen, dass es intern einen fairen Konkurrenzkampf gibt und die in London und New York ansässigen Investmentbanker nicht allein deshalb einen Karrierevorteil haben, weil sie im vermeintlich profitableren Bereich arbeiten.
Denn diesen Verdacht schürt Jains Personalumbau: Es sind ja nicht nur Ausländer, die in der Hierarchie aufsteigen, sondern oft seine Vertrauten aus der Investmentbank. Ob sie für ihre neuen Aufgaben die besten Kandidaten sind, erscheint bei einigen fraglich. Jains Wunschkandidaten für den Posten des Risikokontrolleurs, William Broeksmit, hat die Finanzaufsicht BaFin immerhin abgelehnt. Und ob ein Investmentbanker wie Michele Faissola der richtige Mann ist, um die Vermögensverwaltung zu führen, muss sich noch zeigen. Sein Vorgänger, ebenso ein ehemaliger Investmentbanker, ist daran gescheitert, die kriselnde Sparte flottzumachen.
Unabhängig vom Erfolg der neuen Führungsmannschaft ist Jains Personalumbau ohnehin unvollständig. Eine Gruppe ist weiterhin nicht im Topmanagement vertreten: die Frauen. Obwohl sie mehr als 40 Prozent der Mitarbeiter ausmachen, enthält das GEC kein einziges weibliches Mitglied, geschweige denn der Vorstand.
Die Internationalisierung der D.Bk. haben noch deutsche vorstandsvorsitzende wie Breuer im Fall Bankers Trust
eingeleitet; aber die Geldbringer im angelsächsischen Investmentbanking sind alles Engländer, Amerikaner,Inder.
OK. solange die Geschäfte gut liefen u. hohe Gewinne ablieferten hat kaum einer protestiert.
Jetzt aber rücken die anglophilen Bankzocker ins Zentrum der Bankzentrale, sie stellen die Mehrheit u. werden
nicht mehr von traditionell solide arbeitenden Bankern kontained, geschweige denn kontrolliert.
Schon heute ist bekannt, dass gerade die D.Bk. ausgelagerte Schattenbankfilialen sowie Hedgefonds in
unkontrollierten Steueroasen besitzt, deren Risiken ein Volumen von ca. 800 Milliarden $ ausmachen, wenn
diese Bomben durch riskante Fehlspekulationen u. sich schlagartig ändernde Marktsituationen platzen, dann
wird Deutschland als Gewährsträger der grössten hier domizilierenden Bank gnadenlos in Haftung genommen -
für Geschäfte die die losgelassenen bonigeilen Investmentbanker in London oder N.Y. eingegangen sind.
Mir kommt die Sache so vor wie bei Goethes Faust : der Zauberlehrling wird die Geister die er rief nicht mehr
los; Frau Merkel hatte ja ein inniges Verhältnis zu Herrn Ackermann, der ihr die "teure" u. misslungene Griechenlandrettung schmackhaft machen konnte - es bleibt zu hoffen, dass sie zu A.Jain & Co. den richtigen
Abstand wahrt !