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Merken   Drucken   26.10.2006, 09:59 Schriftgröße: AAA

Ackermann verrät nur sein Gehalt

Nach drei Stunden war alles vorbei. Der erste Verhandlungstag im zweiten Mannesmann-Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht brachte Erkenntnisse über die Geldbörse von Josef Ackermann, sonst aber nicht viel.
In einem der spektakulärsten deutschen Wirtschaftsstrafverfahren verhandelt die Justiz erneut über den Vorwurf der schweren Untreue im Zuge der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor sechs Jahren. Es geht um die Ausschüttung von Prämien und Pensionsabfindungen an Manager in Höhe von 57 Mio. Euro.
Bilderserie Bilderserie: Die Protagonisten im Mannesmann-Prozess
Am ersten Verhandlungstag, der von starkem Medieninteresse begleitet wurde, kündigte der Anwalt des Bankers nach Verlesung der Anklageschrift an, dass Ackermann vorerst zur Sache nicht aussagen wolle und erst am 2. November dazu Stellung nehmen werde. Immerhin machte Ackermann als einziger der sechs Angeklagten präzise Angaben zu seinem Einkommen. Danach verdient er bei der Deutschen Bank jährlich 11,9 Mio. Euro. Einschließlich weiterer Bezüge vor allem aus Vermögen lägen die Einkünfte bei 15 Mio. bis 20 Mio. Euro.
Neben Ackermann müssen sich in dem Prozess der frühere Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser, Aufsichtsratschef Joachim Funk sowie der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel, der Betriebsratschef Jürgen Ladberg und der Manager Dietmar Droste verantworten.
In einer ersten Stellungnahme beteuerten Funk und Zwickel ihre Unschuld. "Zu keinem Zeitpunkt habe ich eine Straftat der Untreue gesehen, erkannt oder erlebt - weder objektiv noch subjektiv", sagte Funk. Zugleich wies er darauf hin, dass Anerkennungsprämien bei Mannesmann schon früher gewährt worden und ein "Stück Unternehmenskultur" seien. Nachfragen ließ Funk trotz Drängen des Gerichts nicht zu.
Kein Geschenk an Esser
Zwickel bekräftigte, dass er sich in strafrechtlicher Hinsicht nichts habe zu Schulden kommen lassen. Die Übernahme von Mannesmann sei zudem für alle Beteiligten nicht zum Nachteil gewesen. "Ein Geschenk ist die Zahlung an Dr. Esser nie gewesen", sagte Zwickel.
Im Blitzlichtgewitter und vor vielen laufenden Kameras waren die Angeklagten am Morgen im Gericht eingetroffen. Ackermann betrat das Gebäude durch einen Seiteneingang. Der Topmanager achtete diesmal peinlichst darauf, in der Öffentlichkeit keine falschen Signale zu setzen. Beim ersten Mannesmann-Prozess hatte er durch ein Victory-Zeichen für einen Eklat gesorgt. Damals waren die Angeklagten freigesprochen worden.
Schadet Ackermann der Deutschen Bank mehr, als er ihr nützt?

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Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte diese Urteile im Dezember vergangenen Jahres aber wieder aufgehoben und das Verfahren an das Landgericht zurückverwiesen. Der BGH sah den "objektiven Tatbestand der Untreue" erfüllt. Die Düsseldorfer Richter müssen nun vor allem die "subjektive Tatseite" aufklären, daher fällt den Aussagen der sechs Angeklagten besonderes Gewicht zu. Der Vorsitzende Richter Stefan Drees hat vorläufig 26 Verhandlungstage für den Prozess anberaumt.
  • FTD.de, 26.10.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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