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Merken   Drucken   21.07.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Blackrock setzt voll auf Gift

Dossier Die weltgrößte Vermögensverwaltung ist der heimliche Gewinner der Finanzkrise. Ohne sie geht beim Abräumen toxischer Wertpapiere nichts mehr. Sie ist zum wichtigsten Helfer der US-Regierung avanciert - eine gefährliche Machtposition. von Sebastian Bräuer (New York)
Der Hunger scheint fürs Erste gestillt: Weitere Übernahmen seien außerhalb jeder Diskussion, beteuert Larry Fink. "Wir werden diesen Teil unseres Geschäfts schließen", kündigt der Chef der Vermögensverwaltung Blackrock  an, nachdem er die Investmentsparte der Barclays Bank für 13,5 Mrd. $ geschluckt hat. Mit solchen Transaktionen soll es nun vorbei sein - vorläufig jedenfalls.
Schließlich hat Blackrock mit der Mitte Juni besiegelten Übernahme einiges zu verdauen. Nach der Integration von Barclays Global Investors hat der weltweit größte Vermögensverwalter die Konkurrenz weit hinter sich gelassen. Die Vermögenswerte addieren sich dann auf 2700 Mrd. $, fast so viel wie das deutsche Bruttoinlandsprodukt. Die beiden nächstgrößten Rivalen State Street und Fidelity Investments kommen gerade einmal gemeinsam auf eine derartige Summe.
Doch Finks neue Bescheidenheit dürfte auch dazu dienen, die wachsende Zahl der Kritiker zu besänftigen. Denn Blackrock ist weit mehr als der Marktführer der Asset-Manager. Die Finanzkrise hat die Experten der lange nur Brancheninsidern bekannten Geschäftseinheit Blackrock Solutions zum führenden Ratgeber von Regierungen, Banken und anderen Finanzdienstleistern aufsteigen lassen. Niemand versteht es so gut wie sie, vergiftete Vermögensbestände auszumachen und notleidende Portfolios zu managen. Immer öfter kommen die Experten auch ohne Ausschreibungen bei Regierungsaufträgen zum Zuge - und vor allem in den USA wächst die Abhängigkeit der Notenbanker und Minister von den neuen Ratgebern. In der Branche wird die Omnipräsenz der Krisengewinnler aus New York mit wachsendem Misstrauen beobachtet.
Bilderserie Bilderserie: Blackrock, der Krisengewinner
Kann ein Unternehmen, das von der Regierung bezahlt wird, Wertpapiere zu bewerten, zu verwalten und zu verkaufen, auf den gleichen Märkten im Auftrag von Privatkunden investieren und diese beraten, ohne in Interessenkonflikte zu geraten? "Wir haben die Sorge, dass Blackrock die Interessen seiner Kunden stärker im Blick hat als die Interessen der Steuerzahler", sagt Michael Smallberg von der Non-Profit-Organisation Project on Government Oversight. Zudem lässt Blackrocks Erfolgsgeschichte die Angst vor dem nächsten systemgefährdenden Kollaps wachsen. "Wir reden immer über Banken, die zu groß sind, aber das trifft auch auf andere Konzerne zu", warnt Simon Johnson, Ex-Chefökonom des Internationalen Währungsfonds. "Die nächste große Krise könnte von den Vermögensverwaltern ausgehen."

Teil 2: Wie die Erfolgsgeschichte 1988 begann

  • Aus der FTD vom 21.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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