Bis zur Mitte des Jahrzehnts zählte der US-Bundesstaat Georgia zu den Boomregionen - nun schließen in der Region zahlreiche Banken
Die Frage an den obersten Sprecher der taumelnden Branche lautet also: Warum haben sich ausgerechnet hier so viele Institute verzockt? Brannen holt weit aus. Er erinnert daran, dass es in Georgia 30 Jahre immer nur aufwärtsging. "Es gab keinen Grund zu glauben, dass das nicht so weitergehen würde", sagt er. Niemand habe doch die Krise in ihrer vollen Schärfe vorhergesagt. "Die Banken hatten also keinen Grund, sich anders zu verhalten."
Bis zur Mitte des Jahrzehnts war der Großraum Atlanta eine Boomregion. Die ansässigen Großunternehmen wie
Coca-Cola , Delta Air Lines oder CNN expandierten, den mittelständischen Firmen ging es prächtig. Die Zahl der Einwohner stieg von Juli 2000 bis Juli 2005 um 15 Prozent. In dieser Zeit entstanden 315.000 neue Häuser, mehr als in allen anderen US-Metropolen. Atlanta, die Olympiastadt von 1996, erlebte ein regelrechtes Wirtschaftswunder.
Und in diesem Umfeld geriet der Bankensektor aus allen Fugen. In Georgia passierte im Kleinen, was sonst auch im Großen geschah - nur geballt auf engstem Raum. Die Hoffnung, über die Vergabe von Krediten am Bauboom teilzuhaben, führte zum Exzess: Seit 2000 wurden in Georgia 112 neue Banken gegründet, Ende 2008 operierten in dem Bundesstaat, der nicht einmal 10 Millionen Einwohner hat, 334 Institute - die Vertretungen der Großbanken nicht mitgerechnet. Viele der Häuser konzentrierten sich auf wenige Geschäftsbereiche, sie vergaben Darlehen an bauwillige Unternehmen oder an einkommensschwache Haushalte. Das war hochriskant. Aber an eine Krise dachte damals niemand.