Sollte sich die Situation an den Kreditmärkten nun verschlechtern, könnte sich die Refinanzierung der IKB zum dramatischen Problem auswachsen - und ihr Geschäft abwürgen.
Daher ist es nur schlüssig, dass sich Lone Star auf die Suche nach einem neuen Eigentümer macht. Es ist der einzige Ausweg. Nur mit einem "Strategen", also einer namhaften Bank mit solider Bilanzsumme und Refinanzierungschance im Rücken, hat die IKB langfristig stabile Zukunftsaussichten - Voraussetzungen, die Lone Star nicht erfüllt. Die Texaner selbst dürften bei dem Abenteuer auf ihre Kosten gekommen sein. Sie haben aus dem toxischen Portfolio der IKB noch die besseren Wertpapiere übernommen, und diese haben sich inzwischen wahrscheinlich, wie der Markt, kräftig erholt. Dass Lone Star viele der Papiere inzwischen mit Gewinn verkauft und den Kaufpreis für die IKB damit längst wieder hereingeholt hat, gilt in der Szene als sicher. "Die haben ihren Schnitt gemacht", sagt ein ehemals hoher IKB-Mitarbeiter. Lone Star selbst will sich dazu nicht äußern.
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Helfen konnten die Texaner der IKB aber nur kurzfristig. Und so diskutieren Spitzenvertreter der deutschen Kreditwirtschaft bereits wieder Schreckensszenarien. "Das Schlimmste wäre, wenn Lone Star dem BdB die IKB irgendwann vor die Tür legt und sie ein Fall für den Einlagensicherungsfonds wird", sagt einer. Zuletzt ist ein solcher Fall im April 2008 eingetreten, als der Verband die Düsseldorfer Hypothekenbank zwangsweise übernehmen musste. Der Staatsfinanzierer hatte damals Funding-Probleme - der Bankenverband wollte eine Vertrauenskrise für den gesamten deutschen Finanzmarkt verhindern. Einen Käufer konnte er bislang jedoch nicht auftreiben.
Noch ist die IKB trotz dieser ernsthaften Sorgen von einem solchen Szenario weit entfernt - nicht zuletzt wegen Bruno Scherrer. Der schweigsame Europa-Obmann von Lone Star, zugleich Aufsichtsratschef der IKB, will schließlich weiter für seinen Finanzinvestor in Deutschland Geschäfte machen. Also tut er alles, damit sich Lone Star möglichst schadlos und ohne Imageverlust aus der IKB zurückziehen kann. "Scherrer sondiert den Markt nach einem möglichen Käufer. Mein Gefühl ist, dass in den nächsten drei Monaten etwas passiert", sagt eine Spitzenkraft der Finanzwirtschaft.
Mit seinem Ansinnen war Scherrer auch schon bei Verbandspräsident Schmitz - in dessen Eigenschaft als Trinkaus-Chef. Der verhandelte auch mit Scherrer - mit Billigung seines Hauptaktionärs, der britischen Großbank HSBC . Gescheitert sind die Kaufgespräche, zu denen sich beide nicht äußern wollen, bislang lediglich am Preis. Aber das kann sich ändern. "Auch vor der Krise", räsoniert Schmitz, "hatte Deutschland nicht die Banken, die es braucht." Wen er meinte, ließ er offen. Aber bei einer Fusion seines Hauses mit der IKB würde er wohl nicht mehr ganz so schwarzsehen.
| Kopf und Zahl |
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| Hintermann Der Franzose Bruno Scherrer gibt als Aufsichtsratschef der IKB die Strategie der Bank vor. Seit 1997 ist er beim Finanzinvestor und IKB-Eigner Lone Star, inzwischen als Europachef. Seine Spezialität: Das Abwickeln angeschlagener Unternehmen. |
| Vordermann Lone Star will die IKB als Investmentbank positionieren - und Hans Jörg Schüttler soll seit Ende 2008 als Vorstandschef diese Strategie personifizieren. Er war zuvor als Deutschland- und Europachef von Morgan Stanley einer der ranghöchsten deutschen Investmentbanker. |