Vorstandschef der Dresdner Bank Herbert Walter plant die Aufspaltung der Bank
Die Zeit drängt. Spätestens Ende August, so lautet die Vorgabe der Münchner Mutter, muss die Sache fertig sein. Nur so lange können beide Teilbetriebe noch die Zahlen aus 2007 als Bewertungsbasis für die Trennung nehmen. Reißt Walter die Deadline, muss die
Allianz lange Monate auf den Geschäftsbericht 2008 warten. Und dann wäre der Konzern möglicherweise zu spät dran bei der Neuordnung des deutschen Privatkundengeschäfts.
Das atemberaubende Tempo, mit dem die Allianz-Granden die schwächelnde Bank zerlegen, zeigt: Sie glauben, dass sie nur eine Chance haben, wenn sie früh losschlagen. Schließlich stehen auch die anderen deutschen Großbanken vor einem Umbruch. So liebäugelt der Bund mit dem Verkauf der
Postbank . Die
Citigroup spielt mit dem Gedanken, ihre deutsche Privatkundentochter Citibank loszuschlagen. Die Commerzbank bekommt mit Martin Blessing einen umtriebigen neuen Vorstandsvorsitzenden, der seit Langem auf eine Gelegenheit zum Handeln wartet und angeblich die Postbank ins Auge gefasst hat. Und Deutsche-Bank-Chef
Josef Ackermann befindet sich im Herbst seiner Amtszeit - die er, anders als verlautbart, gern mit einem ganz großen Wurf beenden würde.
Die Allianz, das hat Konzernchef
Michael Diekmann erkannt, muss sich sputen, um die Dresdner Bank in Stellung zu bringen. Denn die Münchner sind sich sicher: Bald wird etwas passieren.
Dass ausgerechnet Herbert Walter Schlüsselfigur des Umbaus ist, trägt fast schon tragische Züge. Steht der inzwischen 54-jährige Bayer doch wie kein Zweiter für die vielen mäßig geglückten Versuche der Großbanken, gegen die übermächtigen Sparkassen und Volksbanken ein renditeträchtiges Privatkundengeschäft aufzuziehen.
Schon Ende der 90er-Jahre bildet Walter zusammen mit Moschner und dem heutigen
Commerzbank -Privatkundenchef Achim Kassow das Kernteam des Projekts Deutsche Bank 24. Über Telefon und Internet, flankiert von 1500 mobilen Beratern und 800 sogenannten Finanz- und Investmentcentern, will Deutschlands einziges Geldhaus von Weltgeltung das nationale Privatkundengeschäft revolutionieren. Der akribische Arbeiter Walter wird 1999 Chef der Tochter, das Projekt hat erste Erfolge. Doch Ackermann fehlt der Glaube - er kassiert es ein.