Warren Buffett auf einer Großleinwand während der Aktionärsversammlung von Berkshire Hathaway in Omaha
"Warren ist ein Rockstar", sagt Steven Stoller, ein Mittvierziger aus Atlanta. Fan oder Aktionär - das ist hier kein Unterschied. "Ich habe selbst einen MBA-Abschluss, aber das hier ist eine sechsstündige Vorlesung beim besten Professor der Welt." Stoller hat eine kleine "Partnerschaft" gegründet, eine Art Privatfonds, erzählt er. So hat auch Warren Buffett 1956 seine Investorenkarriere gestartet.
Und dann sitzt der Meister plötzlich da. Mitten auf einem riesigen schwarzen Podium, hervorgehoben vom einsamen Lichtkegel eines Spots, im Hintergrund nur zwei Palmen. Die Szene hat etwas Sakrales, das Ritual ist einfach und klar: Jeder Teilhaber darf genau eine Frage stellen, keine bleibt unbeantwortet. Und die Aktionäre wollen alles Mögliche von Buffett wissen. In den kommenden sechs Stunden werden sie ihn auf den Präsidentschaftswahlkampf ansprechen, den Umweltschutz, die Probleme der Indianer, die Integration der deutschen Rückversicherung Cologne Re, die Fastpleite der Investmentbank
Bear Stearns , die Zukunft des Kohlebergbaus und die der Olympischen Spiele.
Buffett beantwortet alle Fragen selbst. Keine Notare notieren, keine Assistenten soufflieren, neben ihm nur Charlie Munger, Partner seit Jahrzehnten. Bei vielen Fragen würden zugeflüsterte Informationen aus der Buchführung ohnehin nicht helfen. Ein zwölfjähriges Mädchen fragt: "Man lehrt uns vieles nicht, was wir wissen sollten." Was tun? Buffett empfiehlt: "Tageszeitung lesen." So bekomme man einen Überblick. "Wir schätzen Ihre Weisheit", sagt ein anderer Schüler. "Wir würden gern wissen, was wir mit dem Rest unseres Lebens machen sollen." Buffett weiß Rat: "Finde heraus, was die Leidenschaft deines Lebens ist. Arbeite für eine Organisation, die du bewunderst, oder in einem Geschäft, das du toll findest." Dann schiebt er lächelnd nach: "Das heißt nicht unbedingt, dass du selbstständig werden musst."
Beim Thema "Nachfolge für Buffett" hört der Spaß aber auf. Es gebe vier Namen, referiert der 77-Jährige den bekannten Stand. "Wenn ich heute Nacht sterbe, kann der Verwaltungsrat morgen über einen Nachfolger entscheiden."
An dieser sensiblen Stelle zeigt sich, wie gut das Tandem mit Charlie Munger funktioniert. "Wir haben hier einen jungen Mann namens Warren Buffett", sagt der 84-jährige Adlatus. "Wir wollen diesen jungen Mann ermutigen, sein volles Potenzial zu entwickeln." Das Publikum lacht, die Stimmung entspannt sich. Dabei haben viele Aktionäre Sorgen, wie es mit dem Konzern nach dem Chef weitergeht: "Warren Buffetts Fähigkeit, unterbewertete Unternehmen zu einem günstigen Preis zu kaufen, ist die Kernkompetenz von Berkshire Hathaway", sagt Kleinaktionär Stoller.