Frankfurter Skyline mit den Hochhäusern der Dresdner Bank
"Mainhattan": Noch nie klang der Beiname dieser Stadt so maßlos übertrieben wie während der diesjährigen Bonussaison - der besten des jungen Jahrtausends im internationalen Bankengeschäft. So begann sich Frankfurt in den 90er Jahren zu nennen, als immer mehr Banken hier Hochhäuser bauten, als die Börse boomte, als die Europäische Zentralbank einzog und die
Deutsche Börse die
London Stock Exchange übernehmen wollte. Noch ein paar Jahre Aufschwung - dann würde das Bankenviertel endgültig in die Liga der City in London und der Wall Street in New York aufsteigen.
Stattdessen kam der Absturz. Vom Verlust der D-Mark wird sich Frankfurt nie wieder erholen: Plötzlich legten internationale Banken keinen Wert mehr auf die Nähe zur einst allmächtigen Bundesbank. Unter dem Druck der Börsen- und Bankenkrise zentralisierten die Geldhäuser ihre europäischen Operationen noch schneller in London.
Jetzt, am Ende dieser Krise, da die Aktien weltweit steigen, das Geschäft mit Fusionen brummt, Investmentbanken Rekordgewinne einstreichen und Bonuszahlungen an ihre besten Mitarbeiter vervielfachen, bleibt es so ruhig in Frankfurt, dass nicht einmal der örtliche Ferrari-Händler mitbekommen hat, dass Zahltag ist: "Bitte, was für eine Saison soll das sein? Wer bekommt Geld?" Aus Manhattan wird derweil gemeldet, der teuerste Lamborghini sei komplett ausverkauft.