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20.04.2010, 08:30
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Goldman - Dämon der Wall Street
Zeitenwende an der Wall Street: Die Klage der Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs markiert ein neues Kapitel der Finanzkrise. Die Obama-Regierung will endlich durchgreifen.
von Sebastian Bräuer, New York
und Sabine Muscat Washington
Es war eine der typischen Partys im New Yorker Finanzzentrum. Banker standen bei Champagner und Erdbeeren in Schokosoße zusammen, die Herren in Nadelstreifen, die wenigen Damen in kurzen Röcken, man verlor sich im unverbindlichen Small Talk.
Einzig Alexander Dibelius, Deutschlandchef von
Goldman Sachs , nutzte die Gelegenheit zu einem wichtigen Statement. Das Topmanagement habe auf einen Teil der Boni verzichtet und für wohltätige Zwecke gespendet. "Was sollen wir denn noch machen?", fragte er. Dibelius erwartete, dass nun Schluss sei mit dem Herumgemäkel an den Milliardengeschäften seiner Bank.
Das war im Februar, als für Goldman alles noch prächtig lief. Als die Bank noch dachte, sich irgendwie freikaufen zu können. Und als die Welt noch dachte, daran nichts ändern zu können.
Und nun kommt die SEC. Die US-Börsenaufsicht klagt die Bank wegen mutmaßlichen Betrugs an. Es geht um Hypothekenprodukte, die absichtlich so konstruiert worden sein sollen, dass das Verlustrisiko außerordentlich groß ist. Paulson & Co, einer der weltgrößten Hedge-Fonds, soll das Portfolio mit ausgewählt und gleichzeitig gegen die Positionen gewettet haben - während Goldman für sie Werbung machte.
Es ist einer dieser Fälle in der seit drei Jahren herrschenden Finanzkrise, die wieder alles erbeben lassen. Oft hatte man gedacht, dass der Höhepunkt erreicht ist, dass die großen Geschichten über Gier und Gaunerei erzählt sind. Immer wieder aber tun sich alte und neue Abgründe auf, die den Glauben an die Institute erschüttern.
Die Ermittlungen der SEC beleuchten einen dieser Abgründe. Waren Banken die Diener zweier Herren? Haben sie Schrottpapiere verkauft und an Wetten gegen diesen Schrott mitverdient? Die Klageschrift der SEC gegen die größte und mächtigste Bank der Wall Street lässt Böses erahnen - auch wenn unklar ist, ob die Dr.-Jekyll-and-Mr.-Hyde-Strategie ein Einzelfall ist - oder das Komplott System hatte.
Dabei hätte es eine schöne Woche für die Finanzmärkte werden können: Ein Milliardengewinn der Citigroup als Tusch zum Wochenauftakt, heute ebenso tolle Zahlen von Goldman. Eine Woche voller Glanz und Geld, die Finanzkrise mit ihren ganzen CDOs und CDS schien Vergangenheit. Auch die Pläne zur Bankenregulierung der US-Regierung dämmerten vor sich hin.
Teil 2: US-Regierung will Gunst der Stunde nutzen
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Aus der FTD vom 20.04.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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