HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher muss gegen Misstrauen ankämpfen
Der Prototyp jener Zunft ist gewiss kein Mathematikprofessor mit besonderem Interesse an Analysis und geometrischer Maßtheorie, der sich die kinnlangen Haare nach hinten gelt und wenig Wert auf öffentliche Auftritte legt. "Er ist nicht gerade der Typ des filmreifen Hoffnungsträgers. Er ist der Antityp", heißt es im Sparkassenlager. Nonnenmacher werde gute Berater brauchen, die ihm Türen öffneten. Und der "Spiegel" lästerte nach seiner Ernennung: Wohl nur in Zeiten wie diesen könne einer wie er Bankchef werden.
"Das ficht mich nicht an", versucht Nonnenmacher, die Zweifel wegzuwischen. "Niedlich" sei es, mokiert er sich etwas bemüht, wenn er von anderen auf sein Vorleben als Hochschullehrer reduziert werde, "mit all den Assoziationen, die das weckt". Tatsächlich stört es ihn gewaltig, das Klischee vom weltfremden Wissenschaftler aus dem Elfenbeinturm. Im Verlauf des Gesprächs kommt Nonnenmacher immer wieder von selbst auf seine Vergangenheit. "Ich bin nicht der typische Mathematiker", grenzt er sich dann von seinen früheren Standesgenossen ab, oder: "Ich bin nicht der introvertierte Mathematiker."
Solche Sätze sind ungewöhnlich für ihn, der sonst so gut wie gar nichts Persönliches preisgibt. Kühl und verschlossen präsentiert sich der hochgewachsene, schlanke Mann. Die Hände hat er meist auf dem Tisch verschränkt, so statisch, dass man sich kaum vorstellen kann, dass er lange Klavier gespielt hat. Ab und zu, wenn er nachdenkt, hält er die Finger wie zum Gebet vor sein Gesicht. Er will jede Regung unter Kontrolle haben. Aus der Reihe tanzt lediglich eine Haarsträhne hinter dem rechten Ohr, die allen Hilfsmitteln zum Trotz nicht am Kopf kleben bleiben will.