Hohe Gebühren für BesserverdienendeBranchenkritiker Goolsbee hält die Zahlen der SIA für einen Witz: "Da werden unrealistisch niedrige Werte zu Grunde gelegt", sagt der Ökonom. Vor allem bei Besserverdienenden werde die Branche sehr wohl die Hand aufhalten. Auf wessen Konto sich mehr als 5000 $ ansammeln, so ein Modell, darf sich auch für riskantere - und damit gebührenträchtigere - Produkte entscheiden. Überdies sei es fraglich, ob die versprochenen strikten Regeln Bestand hätten: "Das Lobbying der Wall Street wird mit aller Macht einsetzen, wenn die Sozialversicherungskonten eingeführt sind. Dann geht es darum, die gesetzlichen Auflagen aufzuweichen", prophezeit der Professor.
Auf zusätzlichen Profit spekulieren viele: Die Flut frischen Kapitals wird die Gewinne an den Finanzmärkten sprudeln lassen. 2050, so rechnen Experten hoch, entspricht der akkumulierte Wert der Sozialversicherungssparpläne etwa dem des japanischen Aktienmarkts heute. Software- und Computerfirmen spekulieren schon jetzt auf lukrative Aufträge. Denise Valentine, Analystin bei Celent, Beraterfirma für Finanzdienstleister, berichtet bereits von Anfragen zahlreicher IT-Spezialisten: "Die wollen von uns wissen, welche Programme die Finanzinstitute wohl bei der Verwaltung der privaten Sozialversicherungskonten benötigen werden."
Bush riskiert viel für sein ambitioniertes Projekt. In Washington heißt es, die 70 Jahre alte Sozialversicherung sei für Politiker so gefährlich anzutasten wie die Starkstromschiene der U-Bahn. "Sie ist bei der breiten Bevölkerung das beliebteste Regierungsprogramm", sagt Dean Baker vom Center for Economic and Policy Research, einem liberalen Thinktank.