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Merken   Drucken   15.04.2009, 18:54 Schriftgröße: AAA

Agenda: Kleine Bank, was nun?

Dossier Vom Verlust des Vertrauens in die großen Konkurrenten haben die Privatbanken nur vorübergehend profitiert. Doch jetzt gerät ihr Geschäftsmodell ins Wanken von Sarah Speicher-Utsch (Würzburg)
Es läuft gut für Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell: Sein Wein ist gefragt, das Geschäft brummt wie nie, der Silvaner vom Schlossberg seines fränkischen Heimatorts Castell wirft ordentliche Erträge ab. Außerdem kann Erlaucht Holz aus 4575 Hektar Wald verkaufen. Und dann gibt es da noch die Fürstlich Castell'sche Bank, die dem Grafen zusammen mit seinem Cousin Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen gehört. Auch hier gibt es Grund zur Freude: Die Zahl der Kunden ist in den vergangenen Monaten sprunghaft angestiegen. "In der Vergangenheit sind wir als privat geführte Universalbank oft belächelt worden", erinnert sich der Erbgraf - etwa als die konservative Bank sich weigerte, Aktien am Neuen Markt zu kaufen. "Heute suchen die Kunden so etwas wie uns", sagt Klaus Vikuk, der im Vorstand des fürstlichen Geldinstituts sitzt.
Schade bloß, dass sich das Wachstum der Klientel für die kleine Castell-Bank bislang nicht bezahlt macht - ebenso wie für die meisten anderen privat geführten Banken in Deutschland. Zwar profitieren die Traditionshäuser vom anhaltenden Verlust des Vertrauens der Investoren in die Großbanken. Sie gelten als unabhängig und solide und verzeichnen regen Zulauf. So konnte die BHF-Bank den Zuwachs an Kundenvermögen in ihren Depots im vergangenen Jahr auf 4,3 Mrd. Euro fast vervierfachen. Und die Hamburger Berenberg Bank gewann unterm Strich 1,3 Mrd. Euro neue Gelder.
Erbgraf Ferdinand zu Castell-Castell mit seinem Hund Alwin im ...   Erbgraf Ferdinand zu Castell-Castell mit seinem Hund Alwin im Schlosspark
Doch die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers hat nicht nur viele Kunden zum Wechsel des Instituts bewegt. Der Wert vieler Vermögen ist gesunken, das Gros der Anleger hat seine Depots umgeschichtet und ist aus Aktien und Zertifikaten geflohen. Der Anteil des Wertpapiervermögens, für dessen Verwaltung die Privatbanken ihre auskömmlichen Provisionen kassieren, ist drastisch gesunken. Die Kunden parken ihr Vermögen lieber auf Festgeldkonten oder legen ihr Geld in Staatsanleihen und Pfandbriefen an, an denen die Banken kaum verdienen.
So hat nicht nur das Institut des Erbgrafen mit sinkenden Erlösen zu kämpfen, auch größere Wettbewerber wie M.M. Warburg, die BHF-Bank, Hauck & Aufhäuser sowie die Schweizer Bank Vontobel klagen über eine schlechtere Ertragslage. Das ist neu für die feinen Adressen. Sparsam, der Tradition verbunden und weitsichtig - so beschreiben sich die meisten Häuser selbst. Sie sehen sich als Kaufleute alten Schlags, wollen Vermögen bewahren, es nicht um jeden Preis vermehren. Nun spüren auch die privat geführten Häuser, von denen es in Deutschland kaum mehr als eine Handvoll gibt, die Wucht der Krise.
"Die Schockwelle, die von der Insolvenz von Lehman Brothers ausging, hat drastische Konsequenzen für die Ertragssituation der Privatbanken", sagt Björn Robens, im Vorstand der BHF-Bank für das Privatkundengeschäft verantwortlich. Die meisten Häuser haben die Aktienquote in den Depots ihrer Kunden drastisch zurückgefahren und damit auch ihre Einnahmen aus der Vermögensverwaltung, für die alljährlich ein bestimmter Prozentsatz des Wertpapiervermögens fällig wird.
Hinzu kommt, dass der Wert der noch verbliebenen Aktien in den Depots mit den fallenden Börsenkursen geschrumpft ist. "In einer solch schwierigen Marktphase verdienen auch Privatbanken zwangsläufig weniger. Denn wir bekommen geringere Margen auf ein geringeres verwaltetes Vermögen", sagt Dirk Drechsler. Der designierte Sprecher des Vorstands der Bank Vontobel Europa erwartet für das laufende Jahr zweistellige prozentuale Ertragsrückgänge in der Branche. 2008 konnte ein starkes Geschäft zum Jahresbeginn noch ausgleichend wirken - in diesem Jahr schlagen die negativen Effekte voll durch.

Teil 2: Manche Privatbank zahlt sogar drauf

  • Aus der FTD vom 16.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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