Der ehemalige schleswig-holsteinischische Wirtschaftsminister Werner Marnette
Was als Schieflage eines Geldinstituts begann, weitet sich zum politischen Katastrophenszenario für die Große Koalition in Kiel ebenso wie für die schwarz-grüne Landesregierung in Hamburg aus.
Noch Anfang Dezember feierte sich Carstensen in seiner Rede zum Etatentwurf für die kommenden Jahre als umsichtiger Haushälter: "Wir haben die Neuverschuldung um 900 Mio. Euro gesenkt", referierte der Ministerpräsident vor dem Kieler Landtag. "Ich denke: Das verdient nun wirklich Anerkennung." Die Risiken der schlingernden Landesbank erwähnte er lediglich am Rande: Es gelte, die passenden Instrumente des Stabilitätspakts zu nutzen und die Bank "zukunftsfähig aufzustellen".
Seit Mitte Februar ist jedoch klar, dass die HSH im vergangenen Jahr 2,8 Mrd. Euro Miese gemacht hat. Abschreibungen auf das Kreditersatzgeschäft, Verluste aus dem Engagement in Island und bei der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers haben die Landesbank tief in die roten Zahlen rutschen lassen. Zudem muss sie ihre Risikovorsorge auf 1,4 Mrd. Euro erhöhen. Eine Kapitalspritze von 3 Mrd. Euro ist nötig, um das Institut am Leben zu erhalten. Dafür kommen die Anteilseigner Schleswig-Holstein und Hamburg auf - und sie stehen für weitere Risiken gerade: 10 Mrd. Euro umfasst die Ausfallgarantie, die sie übernehmen müssen. Beide Länder haben damit etwa einen halben Jahresetat im Feuer - ein erneuter Einbruch der Bank würde alle Bemühungen der vergangenen Jahre, die Landeshaushalte zu sanieren, Makulatur werden lassen.