Blick auf das Finanzviertel in Frankfurt am Main: Bankkonzerne planen Fusionen und Übernahmen
Dabei ist die Krise, die auf Marktbewertungen drückt, für Verkäufer nicht unbedingt ein guter Zeitpunkt. Potenzielle Käufer müssen ihrerseits versuchen, im optimalen Moment zuzuschlagen. "Natürlich ist eine Konsolidierung grundsätzlich sinnvoll, in praktisch allen Bereichen lassen sich Synergien erzielen", sagt Fred Schneidereit, Partner bei Roland Berger und dort zuständig für das Geschäft mit Finanzdienstleistern. "In vielen deutschen Städten ist es immer noch so, dass Sie auf einen Marktplatz gehen und an jeder Ecke eine Bank finden." Aber: "Derzeit befinden sich die Bewertungen von Banken nicht gerade auf einem Höhepunkt. Aus Marktsicht ist dies nicht der logischste Moment."
Womöglich aber in strategischer Hinsicht: "Viele werden sich sagen, ich verkaufe lieber jetzt, auch zu schlechten Preisen, als erneut restrukturieren zu müssen, was auch Geld kostet und mit Jobabbau verbunden ist", sagt ein Investmentbanker, der für ein großes US-Haus in Frankfurt arbeitet.
Tief eingebrannt in das Gedächtnis der Branche hat sich der Fall der HVB. Sie galt als Übernahmekandidat, Unicredit-Chef Alessandro Profumo griff Anfang 2005 auf dem Höhepunkt der damaligen Bewertungskrise zu. "Das ist die Kunst: dann zuzupacken, wenn die Bewertungen in der Talsohle angekommen sind", sagt der Vorstand einer deutschen Großbank. "Das Problem ist nur, dass man das meistens erst ex post wissen kann und der Verkäufer natürlich das Gegenteil plant."
Gut möglich also, dass der neue Post-Chef
Frank Appel noch wartet, bis er die Postbank auf den Markt bringt. Dennoch sehen viele Beobachter eine unaufhaltsame Dynamik. "Die Kreditkrise hat die Branche aufgeschreckt", sagt Michael Junker, Finanzexperte bei Accenture Deutschland. "Entscheidend ist jetzt, das Geschäftsmodell zukunftsfähig zu optimieren. Alte Rezepte werden nicht helfen."