Commerzbank-Chef Martin Blessing: Im Herbst noch gefeiert, ist entzaubert
Im Rückblick scheint es manchmal, als sei von Anfang an der Wurm drin gewesen. Bereits am Tag der Verkündung des Mega-Deals wurde bekannt, dass die Fusion nicht in harmonischem Einvernehmen besiegelt worden war. Im Gegenteil: Fast der gesamte Dresdner-Bank-Vorstand hatte sich wegen fehlender Jobgarantien bis zuletzt vehement gewehrt. Man fühlte sich von der Allianz verraten und verkauft. Schnell war klar, dass es sich nicht um eine Fusion, sondern um eine Übernahme handelt - die viele Mitarbeiter der Dresdner Bank auch heute noch als feindlich ansehen. Vor einigen Tagen erst wurde das wieder deutlich: Die Arbeitnehmervertreter verweigerten Blessing die Wahl in den Vorstand der Dresdner Bank - dieser besteht voraussichtlich noch bis März, wenn die Dresdner Bank in der Commerzbank aufgeht.
Vor allem aber ist es die Finanzkrise, die dem Projekt zusetzt: Nur zwei Wochen nach der Feier in Frankfurt geht Lehman Brothers pleite, die Erschütterungen jagen um den Globus. Als in Deutschland die Hypo Real Estate wankt, spannt die Regierung einen Rettungsschirm für die Banken. Es ist ausgerechnet die Commerzbank, die im November als Erstes bei dem Sonderfonds - kurz Soffin - anklopft. Nach außen versucht man, das Ganze herunterzuspielen. "Die Commerzbank hat es sogar so verkauft, dass sie das Geld gar nicht wollte und brauchte, sondern die Regierung sie gedrängt hat", erinnert sich ein Banker. Die Commerzbank sollte demnach als Eisbrecher herhalten, um auch andere Banken anzuspornen, die Staatshilfen zu nutzen.