FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » Sturm im Coba-Turm

Merken   Drucken   06.01.2009, 19:12 Schriftgröße: AAA

Agenda: Sturm im Coba-Turm

Dossier Die Übernahme der Dresdner Bank galt als Meilenstein für die Neuordnung der deutschen Finanzlandschaft - und als Coup des neuen Commerzbank-Chefs Martin Blessing. Nun wackelt der Deal. Und der Staat muss einspringen. von Nina Luttmer und Tim Bartz (Frankfurt)
Oben, auf dem Podium im Auditorium des höchsten europäischen Bankenturms, steht das Schild mit seinem Namen in der Mitte: Martin Blessing . Hinter ihm ein Schild mit dem Slogan der Veranstaltung: "Die Commerzbank übernimmt die Dresdner Bank - wir ergreifen eine einmalige Chance". Es ist der 1. September 2008. Und es ist sein großer Tag: Blessing ist erst seit 109 Tagen Chef der Commerzbank . Er hat geschafft, woran sein Vorgänger, sein Vorvorgänger und viele andere deutsche Banker bisher vergeblich gearbeitet haben: Er hat zwei deutsche Großbanken, seine Commerzbank und die Dresdner Bank, zusammengeführt.
Es ist einer der Deals des Jahres, ein Meilenstein für die Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft. Michael Diekmann , Chef der Dresdner-Mutter Allianz , lobt die Verbindung als "Meilenstein in der deutschen Bankenkonsolidierung". Über 5 Mrd. Euro Synergien!, jubelt er. Natürlich nach Abzug der Restrukturierungskosten. Eilig und emsig rechnet der Rivale Deutsche Bank vor, dass er noch immer die größte Bank in Deutschland sei - was als Kompliment zu werten ist. Endlich, es gibt eine zweite große deutsche Bank.
Die Commerzbank braucht Hilfe bei der Übernahme der Dresdner   Die Commerzbank braucht Hilfe bei der Übernahme der Dresdner
Lange scheint's her. Inzwischen wirkt der Deal wie aus einer anderen Zeit, einer Zeit, in der es noch Geld und große Pläne gab. Vier Monate später ist aus dem Meilenstein ein Mühlstein geworden, der die Commerzbank in die Tiefe zu reißen droht.
Beide Banken mussten Milliarden abschreiben, die Kernkapitalquote sinkt bedrohlich, die Commerzbank plant als erstes deutsches Institut eine staatlich garantierte Milliardenanleihe. Bereits zum zweiten Mal verhandelt Blessing über Staatshilfen aus dem Bankenrettungsfonds. Sein Haus hat bereits staatliche Garantien von 15 Mrd. Euro und eine Kapitalspritze von 8,2 Mrd. Euro erhalten. "Diese Hilfen könnten nun für die Zeit nach dem Dresdner-Kauf nicht mehr ausreichen", sagt ein Insider. Blessing, im Herbst noch gefeiert, ist entzaubert.
Commerzbank-Chef Martin Blessing: Im Herbst noch gefeiert, ist ...   Commerzbank-Chef Martin Blessing: Im Herbst noch gefeiert, ist entzaubert
Im Rückblick scheint es manchmal, als sei von Anfang an der Wurm drin gewesen. Bereits am Tag der Verkündung des Mega-Deals wurde bekannt, dass die Fusion nicht in harmonischem Einvernehmen besiegelt worden war. Im Gegenteil: Fast der gesamte Dresdner-Bank-Vorstand hatte sich wegen fehlender Jobgarantien bis zuletzt vehement gewehrt. Man fühlte sich von der Allianz verraten und verkauft. Schnell war klar, dass es sich nicht um eine Fusion, sondern um eine Übernahme handelt - die viele Mitarbeiter der Dresdner Bank auch heute noch als feindlich ansehen. Vor einigen Tagen erst wurde das wieder deutlich: Die Arbeitnehmervertreter verweigerten Blessing die Wahl in den Vorstand der Dresdner Bank - dieser besteht voraussichtlich noch bis März, wenn die Dresdner Bank in der Commerzbank aufgeht.
Vor allem aber ist es die Finanzkrise, die dem Projekt zusetzt: Nur zwei Wochen nach der Feier in Frankfurt geht Lehman Brothers pleite, die Erschütterungen jagen um den Globus. Als in Deutschland die Hypo Real Estate wankt, spannt die Regierung einen Rettungsschirm für die Banken. Es ist ausgerechnet die Commerzbank, die im November als Erstes bei dem Sonderfonds - kurz Soffin - anklopft. Nach außen versucht man, das Ganze herunterzuspielen. "Die Commerzbank hat es sogar so verkauft, dass sie das Geld gar nicht wollte und brauchte, sondern die Regierung sie gedrängt hat", erinnert sich ein Banker. Die Commerzbank sollte demnach als Eisbrecher herhalten, um auch andere Banken anzuspornen, die Staatshilfen zu nutzen.

Teil 2: Wenn zum Bundesligastart fünf Punkte abgezogen werden

  • Aus der FTD vom 07.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Hohe Margenziele: Daimler wagt den großen Wurf

    Der Autobauer will die Spitzenstellung im Premiumsegment zurückerobern. Daimler-Chef Zetsche hat schon einen Plan - doch in der Vergangenheit sind die Stuttgarter mit ihren hochgesteckten Zielen schon oft gescheitert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Branche im Umbruch Der FTD-Versicherungstag 2012

Bilderserie

  07:25 Wirtschaft Juncker: "Griechenlands Worten müssen Taten folgen"
Wirtschaft: Juncker: "Griechenlands Worten müssen Taten ...

Griechenland muss seine neuen Sparversprechen noch schwarz auf weiß abgeben, ehe die Euro-Länder ein zweites Rettungspaket freigeben. mehr

 



markets
  DAX 6788,8  [40.04 +0,59%
  Dow Jones 12890,46  [6.51 +0,05%
  Nasdaq Composite 2927,23  [11.37 +0,39%
  Euro Stoxx 50 2522,34  [9.42 +0,37%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote