François Jozic in der Noa-Zentrale in Düsseldorf. Das Bild im Hintergrund hat seine Lebensgefährtin gemalt
Nun weiß keiner, ob Jozic eines Tages verhaftet wird. Sicher ist aber, dass er im Gegensatz zu Josef K. allen Grund hätte, sich schuldig zu fühlen. Er hat Bankengeschichte geschrieben: als jemand, der mit einer scheinbar guten Idee viel Unheil gestiftet hat.
Von Anfang an war seine Idee zu schön, um wahr zu sein. Im November 2009 empfängt der Belgier, damals 36 Jahre alt, Journalisten zu Einzelgesprächen in der Bibliothek eines Luxushotels. Er trägt ein offenes Hemd, eine übergroße Brille, ein Gründertyp - Bankgründer. Kein Banker. Die Unterscheidung ist nicht unwichtig. Wäre er Banker, es wäre wohl einiges anders gelaufen.
Jozic verkündet an diesem Tag, dass es von nun an eine Bank gebe, die Lehren aus der Finanzkrise gezogen hat, die Noa Bank - Noa, wie Noah mit der Arche. Eine Bank ohne Gier, mit Moral, eine Bank der Mitbestimmung. Die Botschaft: Wir sind nicht wie Lehman. Wir spekulieren nicht. Wir lassen die Kunden bestimmen, was mit ihren Einlagen geschehen soll. Kultur, Planet, Leben, Region heißen die Bereiche. Es soll eine Bank sein, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.
Die Botschaft trifft einen Nerv. Jozic wird mit dieser Idee über 200 Mio. Euro einsammeln. Es wären weniger gewesen, hätten alle Kunden gewusst, welche Vergangenheit Jozic hat, dass er nicht immer Turnschuhe und offenen Kragen getragen hat. Wenige Jahre zuvor sah er noch aus wie die Banker, die er nun bekämpfen will: Dreiteiler, Krawatte, dezente Brille. Damals war er noch in der Verantwortung bei zwei Firmen mit zweifelhaften Ruf: Targas und Quorum.