Neue Fälle à la Bear Stearns drohen
Auch vier Monate später ist noch immer unklar, wer die Salven auf die Bank abfeuerte, die inzwischen von Dimons JP Morgan unter kräftiger Mithilfe der US-Notenbank Fed zum Spottpreis von knapp 240 Mio. $ geschluckt wurde. Jetzt will die SEC Licht in das Drama bringen, das Experten für den größten Skandal der Finanzgeschichte halten. Denn in diesen Tagen, in denen die Branchenkrise rund 18 Monate nach ihrem Ausbruch auf den nächsten Höhepunkt zusteuert, drohen neue Fälle à la Bear Stearns.
So flirren seit Wochen weltweit Gerüchte durch die Handelsräume, dass mit
Lehman Brothers das nächste Wall-Street-Imperium vor der Pleite steht - ohne dass es handfeste Beweise dafür gibt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie der viertgrößten US-Investmentbank bereits knapp 80 Prozent ihres Wertes verloren.
Am Dienstag dieser Woche schwappt die Welle plötzlich nach Europa: Der belgisch-niederländische Finanzkonzern
Fortis stehe kurz vor der Zahlungsunfähigkeit, wird unter Händlern geraunt. Hinzu kommen Ermittlungen der niederländischen Finanzaufsicht gegen das Management der Bank wegen möglicher Irreführung der Anleger bei der jüngsten Kapitalerhöhung. Die Fortis-Aktie bricht zeitweise um 20 Prozent ein - ein vor der Krise für kaum möglich gehaltener Kursrutsch.
Kunden und Konkurrenten, Analysten und Investoren, sie alle sind misstrauisch geworden. Wie fast alle Banken rund um den Globus haben auch Fortis und Lehman Brothers aberwitzige Summen mit zweitklassigen Hypothekenkrediten verloren. 450 Mrd. $ mussten alle Institute zusammen im Zuge der Krise bereits abschreiben, schätzen Experten. 1000 Mrd. $ könnten es am Ende sein, wenn irgendwann Krisenbilanz gezogen wird. Der Verlust von 2,8 Mrd. $ im zweiten Quartal war der erste, den Lehman seit 1994 melden musste. Und mit der Ankündigung, sich 6 Mrd. $ neues Kapital zu beschaffen, hat die US-Bank die negativen Erwartungen noch übertroffen. Für einen Konkurs reicht das aber noch nicht aus.