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Merken   Drucken   13.08.2009, 20:03 Schriftgröße: AAA

Agenda: Wo sind Madoffs Milliarden?

Dossier Er hat alle Rekorde gebrochen: Am Ende hatte Bernard Madoff sein Schneeballsystem auf 65 Mrd. Dollar aufgebläht und viele Millionäre um ihr Vermögen gebracht. Staranwalt Irving Picard fahndet nach dem verschwundenen Geld - die Jagd geht rund um den Globus von Sebastian Bräuer (New York)
Eigentlich ist David Marchant nie um einen Kommentar zum Thema Finanzbetrug verlegen. Der Journalist ist eine kleine Legende, er sucht ausschließlich nach verschwundenen Reichtümern. Doch beim Fall Madoff ist auch Marchant - Spitzname "Offshore Pit Bull"- ziemlich ratlos: "Niemand weiß, wo das Geld ist."
Einer der größten Finanzskandale der Geschichte ist weiterhin voller Rätsel. Mit einem Schneeballsystem hatte der Investor Bernard Madoff seine Anleger um ihr Vermögen betrogen. Der Schaden: unvorstellbare 65 Mrd. $. Dafür hat ein New Yorker Gericht Madoff im Juni zu 150 Jahren Haft verurteilt. Sein Stellvertreter, Frank DiPascali, ist am Dienstag für schuldig befunden worden. Wo zum Teufel aber stecken die Milliarden? Geld verschwindet bekanntlich nicht. Jemand anderes muss es haben.
Diese Frage stellt sich Irving Picard  täglich. Der Staranwalt von Baker Hostetler arbeitet den größten Betrug der Finanzgeschichte auf und jagt auf der ganzen Welt dem verschwundenen Geld nach: 13.705 Anleger haben bisher Schadensersatz beantragt - sie alle setzen darauf, dass Picard wenigstens einen Teil ihres Geldes auftreibt.
Madoff-Insolvenzverwalter Irving Picard   Madoff-Insolvenzverwalter Irving Picard
Es ist verdammt schwierig. Rund 1 Mrd. $ hatte Picard bereits nach wenigen Wochen sichergestellt, seitdem sind nur 300 Mio. $ dazugekommen. Viele Partnerfonds von Madoff hätten Scheingewinne an Investoren weitergegeben, sagt John Coffee, Juraprofessor an der Columbia Law School. "Wenn die Gelder in den Händen von Dritten sind, entziehen sie sich dem Zugriff von Picard."
Es gibt bisher keine Hinweise, dass Madoff die Reichtümer außer Landes geschafft hat, um sich ein Leben in Saus und Braus zu finanzieren. "Er wollte ja, dass sein Schneeballsystem weiterläuft", sagt Coffee. "Also hat er Gewinne sofort wieder investiert."
Dennoch gibt es Profiteure. Picard nimmt jeden unter die Lupe, der in den letzten Jahren geschäftlich mit Madoff zu tun hatte: private Investoren, Hedge-Fonds, Banken. Häufig führen die Spuren in die Karibik. Der Hedge-Fonds Harley International, der von den Kaimaninseln aus operierte, soll 1,1 Mrd. $ an Scheingewinnen abgezogen haben - das meiste davon in den zwei Jahren, bevor Madoffs Imperium zusammenbrach. Der New Yorker Richter Louis Stanton zerrte den Fonds vor Gericht.

Teil 2: Juristisches Gezerre unter Palmen

  • Aus der FTD vom 14.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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