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Merken   Drucken   10.03.2011, 12:57 Schriftgröße: AAA

Amerikanische Schuldenkrise: Pimco macht es sich zu einfach

Kommentar Es gibt gute Gründe, US-Staatsanleihen abzustoßen. Das zweite Aufkaufprogramm der Fed läuft aus, Washington zögert beim Sparen und der amerikanische Schuldenberg ist gigantisch. Anlass zur Panik besteht dennoch nicht - jedenfalls auf kurze Sicht. von Christian Kirchner 
Eine so einfache wie plausible Faustregel an den Kapitalmärkten lautet: Wenn ein Wertpapier auf schlechte Nachrichten nicht länger mit Kursabschlägen reagiert, ist ein Ende der Korrektur meist nicht mehr weit weg. Zittrige Hände sind dann bereits heraus, die übrigen müssen gute Nerven haben. Insofern war der Handelstag am Mittwoch spannend: Der weltgrößte Anleiheninvestor, die Allianz -Tochter Pimco, gab bekannt, dass sie ihre Bestände an US-Staatsanleihen in ihrem 237 Mrd. Dollar schweren Flaggschiff-Fonds Pimco Total Return per Ende Februar auf Null reduziert hat. Manager und Bondguru Bill Gross  muss somit im Februar US-Bonds für einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag versilbert haben.
Pimco-Fondsmanager Bill Gross   Pimco-Fondsmanager Bill Gross
Zudem hat er die durchschnittliche Restlaufzeit der im Fonds enthaltenen Wertpapiere binnen eines Monats von 5,1 auf 3,9 Jahre verkürzt, um sich für weiter steigende Zinsen zu rüsten. Hintergrund: Anleihen mit langer Laufzeit reagieren sensibler auf Zinsänderungen als solche mit kurzen Restlaufzeiten. Doch was machen US-Staatsanleihen am Mittwoch? Sie steigen. Weil die Kurse anzogen, sank am Dienstag die Rendite 10-jähriger US-Treasuries um knapp 0,1 Prozentpunkt auf 3,47 Prozent.
In der Tat machen es sich viele Pessimisten derzeit zu einfach. Die schlechten Nachrichten und Gründe gegen einen Kauf von US-Staatsanleihen - die in vielen weltweit anlegenden Rentenfonds auch deutscher Fondsgesellschaften meist den größten Posten ausmachen - liegen auf der Hand: Das zweite Aufkaufprogramm der Federal Reserve für Anleihen läuft im Juni aus. Die Zinsen sind bereits um einen vollen Prozentpunkt gestiegen. Das amerikanische Budgetdefizit scheint der US-Regierung aus der Hand zu gleiten.
Auf lange Sicht führt die Fed-Politik zu ...

 

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Der weltgrößte Anleiheninvestor Pimco verkauft nicht nur die Papiere, sondern wird auch nicht müde, vor den amerikanischen Staatsschulden zu warnen. Und von der US-Konjunktur gibt es ermutigende Signale, so dass die Zeit der extrem niedrigen Leitzinsen bald vorbei sein könnte - mit Folgen auch für die US-Staatsanleihen. Allein: All dies kann derzeit offenbar kaum noch jemanden schocken, die Rendite zehnjähriger US-Staatspapiere pendelt seit Monaten zwischen 3,3 und 3,7 Prozent.
Zumindest auf kurze Sicht besteht kein Grund zur Panik - zumal die Chinesen ihren Anteil an den Auslandsverbindlichkeiten Washingtons zuletzt sogar noch ausgebaut haben, während andere größere Länder an Bedeutung als Financiers der USA verlieren. Im Sommer 2010 überschritt der Bestand an US-Staatsanleihen im Besitz Chinas die Grenze von 1000 Mrd. Dollar. Warum sollte die Volksrepublik, die in den letzten Jahren so vieles richtig gemacht haben in ihrer Wirtschafts- und Finanzpolitik, ausgerechnet mit ihrer allergrößten Wette - dem Bestand an US-Staatsbonds - komplett daneben liegen?
Dennoch braucht es schon einen geradezu diabolischen Mut, US-Staatsanleihen als mehr als eine allenfalls taktische Position für einige Monate zu sehen. Würde etwa die US-Inflationsrate noch nach den gleichen Grundlagen wie im Jahr 1990 errechnet werden und ignorierte man die ganzen Modifikationen seitdem, läge sie bei aktuell fünf und nicht bei 1,6 Prozent.
Der Devisenmarkt zeigt zudem mit einem seit Wochen starken Euro-Kurs, dass Händler das große Gesamtbild richtig erkannt haben: Während die Euro-Zone die Probleme in den Peripheriestaaten adressiert, wurschteln die USA weiter vor sich hin: Das Haushaltsdefizit erreicht gigantische 1650 Mrd. Dollar. Und dass ein Mitglied der US-Notenbank am Dienstag laut über an ein weiteres - das nunmehr dritte - Aufkaufprogramm für ameriaknische Treasuries nachdachte, weil ja nun der hohe Ölpreis für eine neue Lage gesorgt habe, ist vor allem eins: Ein klares Anzeichen von Verzweiflung.
Töricht wäre es zudem zu glauben, man könne sich als Investor in Ruhe von außen anschauen, was mit den US-Renditen passiert, solange man selbst keine halte. Sie sind nicht weniger als der Dreh- und Angelpunkt des globalen Finanzsystems. Es wäre kaum auszudenken, was mit den längst nicht mehr billig bewerteten Aktienmärkten und den immer größeren Markt für Unternehmensanleihen und nicht zuletzt dem US-Haushalt passiert, wenn die Renditen zehnjähriger Papiere einmal fünf, sechs oder gar sieben Prozent Rendite pro Jahr erreichen.
  • FTD.de, 10.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 15.03.2011 21:16:01 Uhr   Alexander Illi: Ragnarök

    Ich habe zwar keine Ahnung von Modalitäten beim Anleihekauf und -Verkauf, da ich nicht an Schein-Bereicherung durch Spekulation oder gar Glücksspiel interessiert bin - jedoch behaupte ich einfach mal, einen sehr klaren Blick für das Gesamtsystem zu haben, ohne in müßigen Details unterzugehen.
    Deshalb würde ich fast hoffen, dass die Halter von Anleihen diese schnell abstoßen können, denn die U.S.A. stehen alles andere als solide da und sind Vorreiter des Systems, das jede Bodenhaftung verloren hat (Egoismus-Zinsen-Schulden-Wachstumszwang-Spirale abgekoppelt von realen oder gar wahren Werten) - andererseits jedoch hat jeder Spekulant, und seien es "nur" Renter auf der Suche nach "rentablen Geldanlagen", zu lernen, die Konsequenzen des eigenen Handelns einzusehen und zu ertragen, denn es ist der Menschen Fähigkeit und somit Pflicht.

    Zum im Artikel erwähnten Verhalten Chinas könnte übrigens u.a. der aktuelle FTD-Artikel "Alarmstimmung in Peking: Chinas Zentralbank soll keine US-Bonds mehr kaufen" interessant werden.

  • 10.03.2011 19:50:27 Uhr   Ragnar: Selbstbetrug
  • 10.03.2011 18:53:18 Uhr   KrK: Ausverkauf
  • 10.03.2011 18:26:12 Uhr   Speaker: Conspiracy or not?
  • 10.03.2011 16:06:16 Uhr   arl_2006: US-Staatsanleihen
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