Wenn Jochen Sanio nicht gerade einer Krisensitzung beiwohnt und eine Bank mitretten muss, genießt er einfach das Leben: Der Chef der Finanzaufsicht BaFin gilt als jemand, der gerne gut isst, gut trinkt und zu Scherzen aufgelegt ist. Der Scherz, den er am 1. April seinen Mitarbeitern auftischt, kommt bei denen aber nicht gut an.
Ins Intranet der BaFin stellt die Sanio unterstellte Pressestelle am Mittwoch eine Mitteilung, dass die BaFin von Bonn nach Berlin umziehen soll. "Die Diskussion um die Zukunft der BaFin hat eine überraschende Wendung genommen: Das Bundeskabinett beschloss in seiner letzten Sitzung, die gesamte Aufsichtsbehörde künftig in Berlin anzusiedeln", heißt es dort. Und nicht nur die BaFin solle umziehen: Auch die Bundesbank, mit der sich die BaFin die Finanzaufsicht teilt, werde von Frankfurt "in die Hauptstadt verlegt". Dadurch solle eine bessere Verzahnung der beiden Behörden ermöglicht werden.
Über die scherzhafte Natur der Mitteilung dürfte bei den BaFin-Angestellten kein Zweifel aufgekommen sein. Spätestens die Erklärung, dass die Bundesregierung allen Mitarbeitern, die nicht nach Berlin umziehen möchten, "einen täglichen kostenfreien BaFin-Shuttle-Flug" anbieten werde, wird die Erleuchtung gebracht haben.
Dennoch ist vielen nicht zum Lachen zumute. Vor allem das Sanio Berlin - und nicht unverfänglicher etwa Münster oder Kiel - als vermeintlichen Umzugsort gewählt hat, verärgert sie. Denn nach Berlin - da wollen viele BaFin-Mitarbeiter tatsächlich gerne hin. Erst vor neun Jahren mussten die Beschäftigten der Versicherungsaufsicht und der Bankenaufsicht, die 2002 mit der Wertpapieraufsicht zur BaFin verschmolzen wurde, von Berlin nach Bonn umziehen. Im Tausch für das Bundesfinanzministerium, das von Bonn nach Berlin zog. Auch das wird in den Aprilscherz aufgenommen: Es gehe jetzt darum, ein Dienstgebäude für die BaFin in Berlin zu finden. "Eventuell muss dafür eine andere Behörde von Berlin nach Bonn umziehen", heißt es.
Den von vielen erwünschten Rückzug in die Heimat Berlin wird es aber nicht geben. Im Raum steht aber sehr wohl ein erneuter Umzug der BaFin - und zwar nach Frankfurt.
Erst Mitte März hatte der BaFin-Personalrat angekündigt, gegen einen solchen Umzug kämpfen zu wollen. Sanios Aprilscherz wird daher als Zeichen bewertet, dass er die Ängste der Mitarbeiter nicht ernst nimmt.
Vielleicht aber hat Sanio, der gerne zynische Scherze macht, nur seine eigenen Träume formuliert: Der BaFin-Chef gesteht offen ein, dass er selbst am liebsten niemals aus Berlin weggezogen wäre.