FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » Anleger nehmen Reißaus bei der Commerzbank

Merken   Drucken   22.11.2011, 14:38 Schriftgröße: AAA

Angst vor neuer Staatsstütze: Anleger nehmen Reißaus bei der Commerzbank

Ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters schickt die Aktie auf ein Rekordtief. Angeblich fehlen der Bank 5 Mrd. Euro, falls Bankaufseher ihre Anforderungen verschärfen. Der Börsenwert schrumpft auf nur noch 6,5 Mrd. Euro.
Die Commerzbank  braucht Finanzkreisen zufolge wahrscheinlich deutlich mehr Kapital als bisher angenommen. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere mit den Zahlen vertraute Personen. Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus fehlen nach bankinternen Berechnungen rund 5 Mrd. Euro, sollten die europäischen Bankenaufseher ihre Anforderungen nochmals verschärfen.
Kursinformationen und Charts
  Commerzbank 1,334 EUR  [0.006 +0,45%
Die Commerzbank-Aktie brach nach der Meldung um 6,3 Prozent ein auf das Rekordtief von 1,27 Euro. Das entspricht einem Börsenwert von nur noch 6,5 Mrd. Euro. Experten halten eine Kapitalerhöhung bei der Commerzbank schon aus technischer Sicht für unrealistisch. Denn der Nennwert von einem Euro ist die Untergrenze für eine Kapitalerhöhung, und Investoren verlangen in der Regel einen Abschlag von 30 Prozent.
"Commerzbank-Aktien würde man angesichts der Markt-Dynamik im Moment wohl nicht einmal für 80 Cent verkauft kriegen", sagte ein Analyst, der nicht genannt werden wollte. Übrig bliebe dann für frisches Kapital noch der Gang zum staatlichen Rettungsfonds Soffin - den Commerzbank-Chef Martin Blessing kürzlich, zumindest für seine Person, kategorisch ausgeschlossen hatte.
Schafft es die Commerzbank ohne den Staat?

 

Schafft es die Commerzbank ohne den Staat?

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Auf Basis des zweiten Quartals hatte die teilverstaatlichte Commerzbank die Lücke zur geforderten harten Kernkapitalquote von neun Prozent noch auf 2,9 Mrd Euro beziffert. Im dritten Quartal verbuchte sie fast 700 Mio. Euro Verlust - inwieweit dieser den Kapitalbedarf erhöht hat, ist offen. Zudem will die europäische Bankenaufsicht EBA die Bedingungen für die Kapitalberechnung nochmals verschärfen, was bei zahlreichen Banken die Lücke vergrößern würde. Deutschland und andere Länder leisten aber noch Widerstand.
Die EU-Regierungen wollen mit einer Rekapitalisierung der Banken das Vertrauen der Investoren in die krisengeschüttelte Branche wiederherstellen. Die Institute leiden unter massiven Abschreibungen auf europäische Staatsanleihen, was die Kapitaldecke ausdünnt. In der Branche gibt es aber heftige Kritik am Vorgehen der EU, denn die geforderte Kapitalquote geht weit über die neuen Anforderungen des internationalen Regelwerks Basel III hinaus.
In Aufsichtskreisen hieß es laut Reuters am Dienstag, die endgültigen Zahlen der EBA stünden noch nicht 100 Prozent fest. Die Agentur hatte nach eigenen Angaben bereits erfahren, dass sich der Kapitalbedarf der größten deutschen Banken insgesamt auf mehr als 10 Mrd. Euro verdoppeln könnte. Die Commerzbank, deren Kapitalbedarf nach den vorläufigen Zahlen der größte aller deutschen Institute war, lehnte eine Stellungnahme ab.
Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank AG, Martin Blessing   Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank AG, Martin Blessing
Mit dem höheren Bedarf wird die Lage für Commerzbank-Chef Martin Blessing  noch schwieriger. Er hat sein persönliches Schicksal damit verknüpft, dass das Institut die Lücke bis Mitte 2012 schließen kann, ohne noch einmal Staatshilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Der Vorstand will die Quote in erster Linie dadurch erreichen, dass er Bilanzrisiken abbaut, die mit Kapital unterlegt werden müssen. Dazu wird das Neugeschäft des Immobilienfinanzierers Eurohypo gestoppt. Im Mittelstandsgeschäft sollen Kredite bis auf Weiteres nur dann vergeben werden, wenn sie mit den Kernmärkten Deutschland oder Polen zu tun haben. Aber auch deutsche Länder und Kommunen müssen laut Finanzkreisen mit drastischen Einschnitten in der Kreditvergabe rechnen.
21:22:55 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Commerzbank 1,334 EUR   +0,45%  0.006
  • Reuters, 22.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  17:51 Wirtschaft Spendierhosen bei VW sitzen enger
Wirtschaft: Spendierhosen bei VW sitzen enger (00:01:36)

Der Tarifabschluss für die Angestellten des Automobilkonzerns entspricht weitgehend dem Flächenvertrag in der Metall- und Elektrobranche. Laut IG-Metall ist er aber "einen Schnaps besser". mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6264,38  [-16.42 -0,26%
  Dow Jones 12428  [8.14 +0,07%
  Nasdaq Composite 2824,48  [-12.88 -0,45%
  Euro Stoxx 50 2118,94  [2.76 +0,13%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote