Auf Basis des zweiten Quartals hatte die teilverstaatlichte Commerzbank die Lücke zur geforderten harten Kernkapitalquote von neun Prozent noch auf 2,9 Mrd Euro beziffert. Im dritten Quartal verbuchte sie fast 700 Mio. Euro Verlust - inwieweit dieser den Kapitalbedarf erhöht hat, ist offen. Zudem will die europäische Bankenaufsicht EBA die Bedingungen für die Kapitalberechnung nochmals verschärfen, was bei zahlreichen Banken die Lücke vergrößern würde. Deutschland und andere Länder leisten aber noch Widerstand.
Die EU-Regierungen wollen mit einer Rekapitalisierung der Banken das Vertrauen der Investoren in die krisengeschüttelte Branche wiederherstellen. Die Institute leiden unter massiven Abschreibungen auf europäische Staatsanleihen, was die Kapitaldecke ausdünnt. In der Branche gibt es aber heftige Kritik am Vorgehen der EU, denn die geforderte Kapitalquote geht weit über die neuen Anforderungen des internationalen Regelwerks Basel III hinaus.
In Aufsichtskreisen hieß es laut Reuters am Dienstag, die endgültigen Zahlen der EBA stünden noch nicht 100 Prozent fest. Die Agentur hatte nach eigenen Angaben bereits erfahren, dass sich der Kapitalbedarf der größten deutschen Banken insgesamt auf mehr als 10 Mrd. Euro verdoppeln könnte. Die Commerzbank, deren Kapitalbedarf nach den vorläufigen Zahlen der größte aller deutschen Institute war, lehnte eine Stellungnahme ab.