Sie wollen erreichen, dass die Kommission den Banken erlaubt, ein Interbankenentgelt zu verlangen. Ohne eine solche sogenannte Multilateral Interchange Fee (MIF) würde sich die Einführung einer neuen Karte nach Ansicht der Institute nicht lohnen. Eine solche Gebühr zahlt die Bank des Händlers oder Geldautomaten an die Bank des Karteninhabers.
"Der Dialog mit der Kommission ist noch nicht ganz abgeschlossen. Nach einer Antwort der EU-Behörde erwarten wir, dass die endgültige Entscheidung über die Umsetzung von Monnet voraussichtlich im Oktober fällt", sagte Pauget, der früher Chef der französischen Bankengruppe Crédit Agricole war.
Mit Monnet streben die Banken aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Portugal, Spanien und Großbritannien die Ausgabe einheitlicher paneuropäischer Karten in allen europäischen Ländern an - also das erste gesamteuropäische Kartenzahlungssystem. Die Banken entscheiden dabei, ob sie nur EC-Karten oder auch Kreditkarten ausgeben. Das System soll schlank und kosteneffizient sein und von den Skaleneffekten einer breiten Nutzung profitieren. Ferner könnte damit erstmals eine Gesamtlösung für eine Einführung innovativer Zahlungen wie kontaktloses oder mobiles Bezahlen geschaffen werden.
Ursprünglich wurde das Projekt vor Jahren von deutschen und französischen Instituten gestartet und im Laufe der Zeit erweitert. Hierzulande sind die Deutsche Bank, die Postbank und die DZ Bank dabei. Aus Frankreich und Spanien gehören alle großen und wichtigen Institute dazu. "Es ist das bislang größte gemeinsame Projekt europäischer Banken überhaupt", sagte Pauget. Daher komme es auch nicht auf den einen oder anderen Monat bis zur Entscheidung an.
Mit der Monnet-Initiative reagieren die europäischen Banken auf die Schaffung des europäischen Zahlungsverkehrsraums (Single Euro Payments Area, Sepa). Während grenzüberschreitende Überweisungen und Lastschriften mit Sepa längst Realität sind, hinkt der Kartenmarkt hinterher. Ziel der EU-Kommission ist es, dass künftig jede Karte europaweit an jedem Terminal einsetzbar sein soll. Kommission und Europäische Zentralbank haben die europäischen Banken immer wieder aufgefordert, diesen Markt nicht kampflos den Kreditkartenkonzernen Mastercard und Visa zu überlassen und ein eigenes Kartensystem aufzubauen.