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Merken   Drucken   12.05.2012, 17:20 Schriftgröße: AAA

Aufsichtsratspräsident Giuseppe Vita: "Streicheleinheiten" für Unicredit

Giuseppe Vita ist der neue Aufsichtsratspräsident der italienischen HVB-Mutter und damit Nachfolger von Dieter Rampl. Der 77-jährige Mediziner erklärte bei seinem ersten Auftritt, was Europa von Deutschland lernen kann.
© Bild: 2012 Reuters/STRINGER/ITALY
Giuseppe Vita ist der neue Aufsichtsratspräsident der italienischen HVB-Mutter und damit Nachfolger von Dieter Rampl. Der 77-jährige Mediziner erklärte bei seinem ersten Auftritt, was Europa von Deutschland lernen kann.
von Mailand

Seit wenigen Stunden ist Giuseppe Vita Aufsichtsratspräsident von Unicredit . Da wollen die Journalisten schon von dem kleinen Sizilianer wissen, wie er die italienische Bank und Muttergesellschaft der Hypovereinsbank (HVB) zu führen gedenkt. Der 77-Jährige bittet mit Charme um Verständnis. Er brauche noch etwas Zeit: "Ich habe gerade mal mein Büro bezogen. Ich weiß noch gar nicht, was sich links und rechts von ihm befindet", sagt Vita am Samstag in Mailand.

Vita wird eine steile Lernkurve hinlegen müssen. Er ist Nachfolger von Ex-HVB-Chef Dieter Rampl, der das Bankgeschäft in- und auswendig kannte und zusammen mit Alessandro Profumo 2005 die Fusion zwischen Unicredit und HVB orchestrierte. Vita dagegen ist studierter Mediziner. Seine Karriere legte er beim deutschen Pharmakonzern Schering  hin, brachte es dort bis an die Spitze. Er ist zudem Aufsichtsratspräsident des Springer -Verlags. Erfahrungen im Finanzsektor sammelte er nur durch Aufsichtsratsmandate, beispielsweise bei der Deutschen Bank , der Investmentbank Banca Leonardo und der Allianz .

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Der Vorteil für Vita ist, dass er nicht Krisenmanager spielen muss. Nach dem "Annus Horribilis" 2011 - Unicredit verbuchte einen Verlust von mehr als 9 Mrd. Euro  wegen Abschreibungen auf den Wert von Banken, die Profumo während des Booms zusammengekauft hatte - geht es langsam aufwärts. In den beiden vergangenen Quartalen verdiente die Bank wieder Geld. Im schwierigen Heimatmarkt Italien schlägt sich das Kreditinstitut wacker. Die Bilanz ist nach einer Aktienemission im Volumen von 7,5 Mrd. Euro Anfang des Jahres solide. Die Kernkapitalquote liegt inzwischen bei überdurchschnittlichen 10,3 Prozent. 44 Prozent des Refinanzierungsbedarfs für dieses Jahr sind gedeckt. Also: Mediziner Vita muss keine Notoperation durchführen.

"Stolzer Italiener" mit perfekten Deutschkenntnissen

Der große Pluspunkt - aus Sicht von Unicredits Aktionären - ist Vitas Kenntnis der deutsch-italienischen Verhältnisse. Er ist gut verdrahtet in Berlin und München. Seine künftige Rolle interpretiert er dementsprechend als Botschafter. "Ich hoffe, zwischen der deutschen und der italienischen Bankenwelt vermitteln zu können", sagt Vita. Auf die Frage, ob er als "Quasi-Deutscher" die deutschen Interessen bei Unicredit vertrete, stellt er indes klar: "Ich bin stolzer Italiener. Und ich bin stolzer Sizilianer. Ich vertrete die Interessen von Unicredit. Punkt. Basta."

Italiener, Sizilianer und vor allem Europäer. Vita ist ein überzeugter Kämpfer für die europäische Union und die Euro-Zone. Einen Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft hält er für keine gute Idee: "Das ist die Wiege Europas. Das wäre aus meiner Sicht ein Makel, wenn Griechenland ausscheiden würde." Als Vorbild für Europa schwebt ihm das deutsche föderalistische Modell vor. Länder, die sich gegenseitig helfen. Die Rückkehr zu einzelnen Nationalstaaten hält er für keine Alternative. "Als ich auf die Welt kam, gab es auf der Erde 2,4 Milliarden Menschen. Heute sind es mehr als sieben Milliarden", sagt Vita. "Wir Italiener mit unseren rund 60 Millionen machen gerade einmal weniger als ein Prozent aus", rechnet er vor. "Um in dieser schnell wachsenden Welt mitmischen zu können, müssen die europäischen Länder zusammenstehen."

"Die Chemie stimmt"

Als Aufsichtsratspräsident wolle er das Management entlasten, sagt Vita. Er sei jemand, der keinen Konflikt wolle, der stets nach dem Ausgleich suche. Mit dem Unicredit-Chef Federico Ghizzoni verstehe er sich gut. "Die Deutschen sagen dazu: ‚Die Chemie stimmt'", sagt Vita, dem keine passende italienische Übersetzung dazu einfällt. Er wolle die Menschen, die mit ihm zusammenarbeiteten, motivieren. Auch da bedient er sich der deutschen Sprache: "Es braucht ab und zu auch ‚Streicheleinheiten'."

Dass die Wahl auf ihn fiele, habe ihn überrascht. Unicredit-Chef Ghizzoni habe er nur einmal getroffen, am Rande einer Konferenz des Aspen Institute in der Villa d'Este in Como. Das Aspen Institute mit Sitz in Washington wird in Italien von Ex-Finanzminister Giulio Tremonti geleitet und fördert den Austausch von Entscheidern in der ganzen Welt. "Wir sagten ‚Guten Tag' und ‚Auf Wiedersehen'" erinnert sich Vita. "Ich kannte Ghizzoni. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er wusste, wer ich war", sagt Vita. "Ich bin bekannter in Deutschland als in Italien."

An Selbstverstauen mangelt es Vita allerdings nicht. Als sich der Headhunter bei ihm meldet und ihn fragt, ob er etwas dagegen habe, auf die Liste für die Unicredit-Präsidentschaft gesetzt zu werden, antwortet er: "Das sollten sie sogar tun. Denn sonst hätten sie nicht alle geeigneten Kandidaten berücksichtigt. Es gibt nur sehr wenige, die einen Lebenslauf wie ich vorweisen können." Mit ein bisschen Koketterie fügt er an: Wäre er bei Unicredit für die Wahl zuständig gewesen, hätte er den Kandidaten Vita wieder von der Liste gestrichen: "Alleine wegen des Alters. Wer nimmt schon jemanden, der 77 Jahre alt ist", fragt Vita in den Raum. Als der Headhunter ihm dann schmeicheln entgegnet, dass er jünger aussehe als 77, antwortet Vita trocken: "Ja, vielleicht zwei Jahre."

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