"Beteiligungsgesellschaften bleiben extrem wichtige Kapitalsammelstellen. Zudem haben viele Fonds Firmen in ihren Portfolios, die sie irgendwann einmal wieder verkaufen wollen, oder sie suchen nach Anlagemöglichkeiten in Schwellenländern", sagt Morgan-Stanley-Analyst Huw Van Steenis.
Allein vergangene Woche verließen drei Topbanker ihre Arbeitgeber: Kamal Tabet verschwand als Chef der Global Financial Entrepreneurs Group der
Citigroup ins Sabbatjahr. Brian Bassett, der für die
Deutsche Bank das Geschäft mit fremdfinanzierten Übernahmen (Leveraged Finance) in Europa leitete, schloss sich dem britischen Versicherer Pearl an. Und John Sinik, bis dato Weltchef des Leveraged-Finance-Geschäfts der Schweizer
UBS , wechselte zum mittelgroßen britischen Private-Equity-Unternehmen TowerBrook.
Auf fast allen Ebenen dünnen Investmentbanken derzeit die Personaldecke ihrer Abteilungen für fremdfinanzierte Übernahmen aus, die sich in der Boomphase der vergangenen Jahre zu Goldgruben entwickelt hatten. Nahezu 67 Mrd. $ verdienten die weltgrößten Banken in den vergangenen fünf Jahren mit der Beratung von "Heuschrecken" und der Finanzierung von Übernahmen - knapp ein Fünftel des Umsatzes im globalen Investmentbanking. Jetzt aber sind viele Deals geplatzt, weil die Fonds kein Fremdkapital mehr kriegen: Im ersten Quartal 2008 sank die Fusionsaktivität der Beteiligungsgesellschaften weltweit um 65 Prozent.
Dennoch und unbeirrt von der Kreditkrise werben Beteiligungsgesellschaften weiter im großen Stil Eigenkapital ein. Allein im ersten Quartal waren es 163,5 Mrd. $. Der Druck, das Geld angefüttert im Fremdkapital anzulegen, bleibt also hoch - auch wenn die Einnahmen der Banken im ersten Quartal gegenüber Vorjahr um mehr als 77 Prozent eingebrochen sind.
Was tun, wenn das Geschäft anzieht?
Doch irgendwann wird der Markt wieder anziehen - und dann könnten den Banken die Experten für das Geschäft fehlen, fürchten Kenner der Szene. Die Private-Equity-Gesellschaften haben bereits reagiert und stellen eigene Banker ein, um auf diesem Weg zumindest die Beratungskosten zu sparen. Vergangene Woche beispielsweise nahm Kohlberg Kravis Roberts (KKR) John Empson unter Vertrag, den ehemaligen Chef des europäischen Fremdkapitalmarkt-Geschäftes von
JP Morgan Chase .
"Das Problem für viele Banken ist, dass Beteiligungsgesellschaften inzwischen ihre eigenen Spezialisten beschäftigen und noch mehr Leute benötigen, die auch Erfahrung in der Führung von Unternehmen mitbringen", sagt ein Private-Equity-Manager. "Die Banken müssen sich neu erfinden."
Schon sprechen Branchengrößen wie Guy Hands von
Terra Firma oder David Rubenstein von
Carlyle davon, sich künftig direkt an Fremdkapitalgeber zu wenden, ohne die Banken einzuschalten. "Die Beteiligungsgesellschaften bauen ihre Leveraged-Loans-Bereiche aus", sagt auch Matthew Sabben-Clare, der 2005 von Merrill Lynch zum Finanzinvestor Cinven wechselte. "Es gibt eine Abwanderung von Bankern zu Private Equity. Das Tempo hat zugenommen."