Gemeldete Phishing-Serien weltweit
Erst am Mittwoch starteten Betrüger wieder einen Angriff auf Kunden der Deutschen Bank, um über so genannte Phishing-E-Mails an die Zugangsdaten (PIN und TAN) zu den Onlinekonten zu gelangen. In der E-Mail wurden die Kunden aufgefordert, eine bestimmte Internetsite zu öffnen und dort ihre Daten einzugeben - angeblich wegen einer Aktualisierung der Sicherheitsvorkehrungen.
Ungefähr ein Drittel der Kunden führt die Geschäfte inzwischen online aus. Weltweit haben sich die Phishing-Attacken nach einer Studie des Sicherheitssoftwareherstellers Symantec von 546 Millionen pro Jahr auf 1,04 Milliarden 2005 verdoppelt. Die Schäden, die bei den Kunden entstehen, werden von den Banken auf Kulanz beglichen. Experten schätzen, dass 2005 allein in Deutschland illegal Geld im zwei bis dreistelligen Millionenbereich von Konten transferiert wurde.
Umstellung auf sicherere Systeme
Deshalb wollen die Institute im laufenden Jahr mit der Einführung so genannter indizierter Transaktionsnummern (iTAN) den Betrügern trotzen. Dabei erhalten die Kunden Blöcke mit durchnummerierten TAN-Zahlenkombinationen. Vor jeder Transaktion teilt ihnen die Bank mit, welche Nummer dran ist. Die TAN wird nur kurze Zeit freigeschaltet. Damit wird eine TAN, die ein Kunde versehentlich preisgibt, für Datenräuber wertlos.
Die
Postbank hat als erste Großbank das System schon Ende vergangenen Jahres eingeführt. Insgesamt 2,2 Millionen Onlinekunden haben die neuen iTAN-Listen erhalten. Zusätzlich bietet das Institut so genannte mTANs an. Per SMS kann der Kunde sich eine mobile TAN aufs Handy schicken lassen. "Die angeblich von der Postbank stammenden Phishing-Mails sind nach unseren Beobachtungen in den letzten Monaten spürbar zurückgegangen", sagte ein Sprecher der Postbank. "Die Einführung von iTAN und mTAN dürfte ihren Teil zu der Entwicklung beigetragen haben." Noch im ersten Quartal will die Bank das alte System abschaffen. Auch die
Deutsche Bank ist dabei, ihre rund 2,6 Millionen Onlinekunden mit iTAN-Listen zu versorgen. Spätestens bis Ende März soll auch ihr Online-System umgestellt werden. "Wir wollen den Betrügern ein Signal setzen, dass es für sie in Zukunft deutlich schwieriger wird, Kontendaten zu stehlen", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank.
Auch iTAN-Verfahren nicht unüberwindbar
Die deutschen Sparkassen ziehen nach: Rund die Hälfte der 463 Institute sind technisch bereits in der Lage, dass Verfahren umzusetzen. "Im Laufe dieses Jahres wird flächendeckend auf das Verfahren umgestellt", sagte eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Die
Commerzbank plant, dass System noch 2006 einzuführen. Die
Dresdner Bank will die Entwicklung noch beobachten. Die Volks- und Raiffeisenbanken setzen bisher nur auf einen Chipkartenleser, der an dem PC angeschlossen sein muss. Dabei muss weder PIN noch TAN eingegeben werden. Andere Banken bieten das als Alternative zu iTAN an.
Die Institute propagieren mit dem iTAN-Verfahren zwar mehr Sicherheit. Trotzdem wurde das System schon vorher von Wissenschaftlern an einem Tag geknackt. Dabei sei man nicht auf diesem Gebiet spezialisiert und habe lediglich frei im Internet erhältliche Programme verwendet, sagt Georg Borges, Professor an der Universität Bochum, Sprecher der Arbeitsgruppe Identitätsschutz im Internet und Kopf der Test-Gruppe.
Die Wissenschaftler haben bei ihrem Angriff Kunden auf gefälschte Internetseiten der Banken gelockt und einen gleichzeitigen Dialog mit ihnen und der Bank aufgebaut. Dadurch konnte ein bestimmte TAN sofort abgefragt werden. "Das Verfahren ist nur sicher, wenn der Kunde überprüft, ob die SSL-Verbindung sicher ist", sagt Borges. Die Kunden würden den Schutzmechanismus aber ignorieren oder ihn nicht verstehen. Einzig sicher seien die mobilen TANs und der Chipkartenleser.