Für europäische Banken taucht ein neuer Krisenherd auf: das bislang boomende Geschäft in Osteuropa. Gründe sind der rapide wirtschaftliche Abschwung, die hohe Abhängigkeit von Krediten in Fremdwährungen und die schwierigen Refinanzierungsbedingungen in diesen Ländern.
Die Bankanalysten von Morgan Stanley zählen das Osteuropageschäft zu den derzeit größten Risiken für Banken. Das Engagement der EU-Institute in diesen Ländern beläuft sich nach ihren Angaben auf insgesamt 1500 Mrd. $. Besonders betroffen sind Geldhäuser aus Österreich, Italien, Frankreich, Schweden und Griechenland.
Die Krise trifft die Region mit voller Wucht - Länder wie Ungarn und Lettland mussten bereits den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die EU um Hilfe bitten, um einen Kollaps zu vermeiden. Viele osteuropäische Staaten weisen hohe Leistungsbilanzdefizite auf. Sie haben jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt - was die hier tätigen ausländischen Banken über Kredite finanziert haben. Seit Beginn der Krise ziehen Anleger ihr Geld aus den Märkten ab, die lokalen Börsen und Währungen kämpfen mit Wertverlusten.
Das enorme Kreditwachstum wird für westliche Banken nun zum Problem, denn die Qualität der Darlehen verfällt zusehends. Bei der Unicredit -Tochter Pekao und dem Osteuropageschäft der Ersten Bank machen Kredite in Zentral- und Osteuropa den Morgan-Stanley-Analysten zufolge rund das siebenfache des Kapitals der Bank aus, bei Raiffeisen International sogar etwa das neunfache.
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) warnt, das hohe Engagement einiger westlicher Banken könne sogar ganze Länder mitreißen: So haben allein die österreichischen Banken in den Ländern Osteuropas Kredite von insgesamt 224 Mrd. Euro ausständig. Dies entspricht 78 Prozent der gesamten österreichischen Wirtschaftsleistung.
Eine Reihe von Instituten hat seit den 90er-Jahren in Osteuropa in großem Stil expandiert und von dem enormen Wachstum in der Region profitiert. Das Gros der Bankenmärkte in den Ländern ist daher mittlerweile in ausländischer Hand. Die österreichischen Institute sind die Platzhirsche, die italienische Unicredit ist ebenfalls stark vertreten, seit der Übernahme der deutschen HypoVereinsbank auch über deren Tochter Bank Austria. Auch die französische Großbank Société Générale und der belgische Finanzkonzern KBC sind in großem Umfang in Osteuropa engagiert.
Teil 2: Warum die Kredite faul werden