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Merken   Drucken   08.11.2012, 13:29 Schriftgröße: AAA

Bankenkrise: So plant die Commerzbank den Umbau

Nach zuletzt dürftigen Ergebnissen krempelt die Commerzbank ihr Privatkundengeschäft um. Bis 2016 will die zweitgrößte deutsche Bank 1 Mrd. Euro in Produkt- und Serviceangebot, Beratung und Qualifizierung der Mitarbeiter investieren - Stellenabbau eingeschlossen. Die Pläne im Detail.

Mit aller Macht will die Commerzbank das Ruder herumreißen. Das lahmende Privatkundengeschäft wird völlig umgekrempelt, ein Stellenabbau steht an. Der deutschen Nummer zwei bleibt vier Jahre nach der riskanten Übernahme der Dresdner Bank wohl keine andere Wahl. "Ein Weiter-so kann es in der Bankenbranche nicht mehr geben", sagte Vorstandschef Martin Blessing am Donnerstag in Frankfurt. Sein Ziel: Der Gewinn im Segment der Privatkunden soll bis 2016 auf rund 500 Mio. Euro gesteigert werden. In den ersten neun Monaten waren es nur 215 Mio. Euro. Die Vorhaben der Commerzbank im Detail.

Bis 2016 will die Commerzbank rund 2 Mrd. Euro in den Ausbau der vier Kerngeschäftsfelder Privatkunden, Mittelstand, Investmentbank und Mittel- und Osteuropa stecken. Die Hälfte davon entfällt auf das Privatkundengeschäft. Mit den Investitionen will Deutschlands zweitgrößtes Kreditinstitut neue Kunden gewinnen und das Geschäft mit bestehenden Kunden ausweiten. Große Übernahmen sind nicht zu erwarten.

Den Freiraum für die Investitionen will die Bank aus eigener Kraft schaffen, die Kosten sollen insgesamt konstant bleiben. Das bedeutet, dass vor allem die laufenden Ausgaben gekürzt werden. So strebt die Commerzbank bis 2016 eine Kostenquote in ihren Kerngeschäftsfeldern von 60 Prozent an, derzeit liegt sie bei knapp 70 Prozent. Geplant sind etwa die "Anpassung der Personalkapazitäten" und schlankere Arbeitsprozesse. Konkrete Zahlen zum Personalabbau nennt das Management noch nicht. Im Raum steht die Streichung jeder zehnten Stelle, was den Verlust von bis zu 6000 Arbeitsplätzen bedeuten würde. Der Umbau verursacht zunächst jedoch Kosten, die das Gesamtergebnis in den nächsten vier Jahren belasten.

Das größte Sorgenkind im Konzern ist das Massenkundengeschäft, es steht im Mittelpunkt des Konzernumbaus. Denn trotz elf Millionen Kunden und 10.000 Beratern in 1200 Filialen verdient die Commerzbank kaum Geld. Nach den ersten neun Monaten 2012 steht ein magerer operativer Gewinn von 215 Mio. Euro zu Buche. Nun greift die Bank durch: Mit den Investitionen will das Institut die Technik ausrüsten, die Berater schulen und das Produktangebot erweitern. Gleichzeitig soll das Filialnetz "flexibler werden". In der Diskussion ist eine Ausweitung der Öffnungszeiten auf die Abendstunden und den Samstag. Gleichzeitig wird der Service vielerorts eingeschränkt: Die Anlageberatung etwa wird es künftig nicht mehr in allen Filialen geben, kleineren Zweigstellen bleibt künftig etwa nur die Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Die Schließung von Niederlassungen ist aber nicht geplant. Einen spürbaren Erfolg der Maßnahmen erwartet der Vorstand erst 2014.

Die Commerzbank weist aktuell eine harte Kernkapitalquote von 12,2 Prozent aus, die noch nach dem Regelwerk Basel 2,5 ermittelt wurde. Unter Anwendung der strengeren Vorschriften nach Basel III, die schrittweise ab 2013 in Kraft treten, erwartet die Bank für Anfang nächsten Jahres eine Kernkapitalquote von mehr als neun Prozent. Diesen Wert will die Commerzbank bis 2016 auch stets übertreffen - und Anwendung der jeweils gültigen Übergangsvorschriften. Zur Stärkung ihrer Kapitalbasis wird die Bank auch Gewinne einbehalten. Eine Dividende für die Geschäftsjahre 2012 und 2013 wird es daher nach heutigem Stand nicht geben.

In der internen Abwicklungsbank, in der die Schiffs- und Immobilienkredite sowie die Staatsanleihen zusammengefasst sind, liegen derzeit Vermögenswerte in Höhe von 160 Mrd. Euro. Das Portfolio soll bis 2016 wertschonend, das heißt überwiegend ohne Verkäufe, um 40 Prozent auf 90 Mrd. Euro reduziert werden. Die Commerzbank hofft, gebundenes Eigenkapital für ihr Kerngeschäft freisetzen zu können. Den Entlastungseffekt beziffert sie bis 2016 auf 2,7 Mrd. Euro, trotz der bis dahin zu erwartenden Verluste von 2,3 Mrd. Euro. Darüber hinaus gehende Projektionen veröffentlicht die Commerzbank derzeit nicht: Zur großen Belastung könnten noch die Schiffs- und Immobilienkredite werden, die Ende 2016 noch 40 Prozent des Abbauportfolios ausmachen werden.

  • FTD.de, 08.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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