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Merken   Drucken   19.07.2012, 11:54 Schriftgröße: AAA

Bankenreform: Zerlegt die Banken!

Investoren profitieren eher von einer Zerschlagung der Großbanken als von einer staatlich verordneten Aufstockung ihres Kapitals. Das sollten auch die Regulierer berücksichtigen.
© Bild: 2012 DPA-Bildfunk/ Arne Dedert
Kommentar Investoren profitieren eher von einer Zerschlagung der Großbanken als von einer staatlich verordneten Aufstockung ihres Kapitals. Das sollten auch die Regulierer berücksichtigen.
von Sebastian Mallaby

Sebastian Mallaby ist Fellow der Denkfabrik Council on Foreign Relations


Die Diskussion über eine Bankenreform nimmt bemerkenswerte Züge an. Einerseits diskutieren Aufsichtsbehörden, wie Banken für die Gesellschaft sicherer gemacht werden können. Andererseits diskutieren Aktienanleger, wie Banken für ihre Portfolios sicherer gemacht werden können. Fügt man beide Diskussionsstränge zusammen, lässt sich schnell erkennen, dass die Aufsichtsdiskussion zumindest in einem zentralen Aspekt konfus ist.

Sebastian Mallaby   Sebastian Mallaby

Die Aufsichtsdiskussion geht davon aus, dass im Zuge einer "vernünftigen" Reform die Banken intakt bleiben müssen. Kreditinstitute zu zerschlagen, die zu groß sind, als dass sie scheitern dürften, würde dem Privatsektor Schaden zufügen. Dagegen gilt die Forderung, Banken müssten weiteres Kapital einsammeln, als marktfreundlicher Weg, um Rettungsaktionen durch den Steuerzahler zu umgehen. Doch die Debatte an den Märkten stellt diese Annahme auf den Kopf. Unter Anlegern gilt die Zerschlagung von Bankenkolossen zunehmend als wünschenswert - die Aufstockung des Kapitals der Banken dagegen als verdammenswert. Handelt es sich bei einer "vernünftigen" Reform um eine, die Marktpräferenzen entspricht, könnte eine Zerschlagung vernünftiger sein, als Banken zu zwingen, Kapital zu halten, das sie überhaupt nicht wollen.

Es ist leicht zu verstehen, warum Anleger darauf erpicht sind, Großbanken zu zerlegen. Die Synergieversprechen, die in den 90er-Jahren von Imperien bauenden Chefs aufgetischt wurden, haben sich als leer erwiesen. Kunden wollen nicht unbedingt Konsortial- oder Vermögensverwaltungsdienste im selben Supermarkt kaufen, wo ganz gewöhnliche Kredite zu bekommen sind. Gleichzeitig sind die Risiken des Imperienbaus offensichtlich. Wenn selbst ein geachtetes Finanzinstitut wie JP Morgan Chase  durch einen schlampigen Handel in einem unberechenbaren Außenposten Milliarden verlieren kann, dann ist der Imperienbau überall zu weit gegangen. "Banken gelten zunehmend als nicht analysierbar und nicht anlagefähig", sagt Mike Mayo, ein Analyst für CLSA an der Wall Street.

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Die Skepsis der Anleger schlägt sich in den Aktienkursen nieder. Die Marktkapitalisierung von Citigroup dümpelt um die Hälfte des materiellen Buchwerts herum, die von Bank of America bei drei Fünfteln. Citi zu liquidieren könnte den Aktionären einen Gewinn von 100 Prozent bescheren. Tatsächlich könnte der Geldsegen noch größer ausfallen, da zu den Vermögenswerten der Banken auch Infrastruktur gehört, die für viel mehr als den Buchwert verkauft werden könnte. Zwar entspricht JP Morgans Marktkapitalisierung in etwa dem Buchwert, Analysten schätzen jedoch, dass die Bank in Einzelteile zerlegt möglicherweise ein Drittel mehr wert ist als in einem Stück.

Nicht nur der Reiz der Bankenzerschlagung ist offensichtlich, sondern auch die Ablehnung gegen die Bemühungen, den Banken vorzuschreiben, mehr Kapital einzusammeln. Im Allgemeinen ziehen Banken es vor, Schuldtitel auszugeben statt Aktien, weil der Staat seltsamerweise Verschuldung subventioniert. Die doppelte Besteuerung von Unternehmensgewinnen hat Schulden zum Steuervorteil gemacht, die Einlagensicherung subventioniert die Kreditaufnahme bei Privatkunden, die Zentralbankliquidität hat die kurzfristige Geldaufnahme im Interbankengeschäft künstlich verbilligt. Zu diesen seit Langem bestehenden Anreizen zur Verschuldung kamen nun zwei neue hinzu.

Der erste rührt von der Erkenntnis her, dass Banken zu groß sind, als dass sie scheitern dürften. Seit 2008 ist klar, dass unbesicherte Anleihegläubiger der Banken gute Chancen haben, in einer Krise gerettet zu werden. Dadurch wurde eine Subvention für die Anleiheemission geschaffen, die sich von alten Subventionen für das Einsammeln von Einlagen und die Emission kurzfristiger Papiere unterscheidet. Während in der Vergangenheit dank eines indirekten staatlichen Schutzes nur quasistaatliche Kreditinstitute wie Fannie Mae Anleihen billig ausgaben, genießen jetzt alle großen Banken dieses Privileg. Um den Moral Hazard zu beschränken, wurden Rettungsaktionen so konzipiert, dass die Aktionäre leiden. Entsprechend wurden die Aktionäre des Versicherers AIG bis aufs letzte Hemd ausgezogen, während die Banken, die unbedacht die Derivate AIGs gekauft hatten, ungeschoren davonkamen. Folglich rechnen Aktienanleger heute nicht damit, vom Staat gerettet zu werden. Anders als Anleihegläubiger sehen Aktionäre Bankenkolosse als beängstigend komplex an - nicht als geschützt.

Wie die Stanford-Professorin Anat Admati anmerkt, ist der Effekt des Schuldenüberhangs der Grund, warum Bankaktionäre die Verschuldung nicht verringern wollen. Normalerweise akzeptieren Eigner eines gesunden Unternehmens die Kosten der Emission von Aktien. Das tun sie, um das Risiko einer Insolvenz zu reduzieren, denn Aktionäre verzichten im Gegensatz zu Anleihegläubigern schon im Vorfeld darauf, dass in schwierigen Zeiten Dividenden fließen. Ist ein Unternehmen aber bereits ungesund verschuldet, ähneln die Gläubiger Eigentümern: Die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz steigt, und die Anleihegläubiger laufen Gefahr, dass ihre Einnahmen versiegen. Bei diesem Fall von Schuldenüberhang dient der Schuldenabbau dazu, das Risiko zu mindern, das die Anleihegläubiger tragen - oder der Staat, der sie schützt. Aktionäre bleiben auf höheren Finanzierungskosten sitzen, auch sinkt als Entschädigung das Risiko für sie nicht. All das bedeutet nicht, dass Bankenaufsichten aufhören sollten, auf mehr Kapital zu bestehen, im Gegenteil: Verluste, die Bankenanleger beim Schuldenabbau erleiden, sind Gewinne der Gesellschaft. Aber die Kapitaldeckenpolizei sollte sich bewusst sein, dass es starke Anreize gibt, ihre Erlasse zu umgehen. Wollen die Aufsichtsbehörden eine vernünftige Politik, die vom Aktienmarkt akzeptiert wird, sollten sie die Großbanken zerschlagen.

Quelle: The Financial Times

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Kommentare
  • 26.10.2012 04:23:07 Uhr   don.reinhold: Zerlegt die Banken

    Das ist blanker Unsinn! Kein Mensch kann in unserem System verhindern, das sich an der nächsten Ecke wieder eine neue Großbank entwickelt. Jede Zerschlagung bringt nur eine Bewegung aber keine Veränderung. Würden dagegen Grundsätze verändert, im System und in den Banken, könnten auch Großbanken zu unser aller Nutzen arbeiten. Heute können sie das nur zu ihren eigenen Nutzen tun und Großbanken werden jeden Cent für sich nehmen, den Sie bekommen können. Das ist so zwanghaft wie, das Politiker ständig Wege suchen werden um an das Gold der BRD heran kommen zu können. An was denn auch sonst? Alles andere haben sie ja schon und bietet keinerlei Anreiz mehr. Diesem Land fehlt wirklich nur ein dicker Knüppel um die Maden aus der Politik zu treiben. Dann alle Schulden bezahlen, dann vernünftige und nachhaltige Politik betreiben, die allen Menschen zugute kommt und Germany wird ein leuchtendes Beispiel für diese korrupte Welt!
    MfG

  • 20.07.2012 08:18:34 Uhr   MFN: Wenn die Eigentümer von einer Zerlegung prof...
  • 19.07.2012 17:31:44 Uhr   M.T.: Commerzbank ist am Ende
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