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Merken   Drucken   13.02.2012, 21:41 Schriftgröße: AAA

Bankenregulierung: EU knöpft sich Schattenbanken vor

Exklusiv Jenseits von Bankbilanzen, Geldmarktfonds und Hedge-Fonds führen Zweckgesellschaften ein weitgehend unreguliertes Eigenleben. Die EU sieht das als Gefahr für den gesamten Finanzsektor und will eingreifen. von Mark Schrörs  Brüssel und Jens Tartler  Berlin
Die Europäische Union will Schattenbanken stärker regulieren sowie kontrollieren und damit das Finanzsystem sicherer machen. Das geht aus dem Entwurf einer Mitteilung des EU-Binnenmarktkommissars Michel Barnier hervor, der der FTD vorliegt. Die Finanzkrise habe gezeigt, dass von dem Sektor "große Bedrohungen für die langfristige Finanzstabilität" ausgehen können, heißt es in dem Entwurf. Im März will Barnier das Papier offiziell vorlegen.
Michel Barnier auf einer Pressekonferenz in Brüssel   Michel Barnier auf einer Pressekonferenz in Brüssel
Sektor wächst rasant
Die Mitteilung ist der Auftakt für die Regulierung der Schattenbanken. Dabei geht es um Zweckgesellschaften jenseits der Bankbilanzen, Geldmarktfonds und Hedge-Fonds, die stark mit Schuldenhebeln agieren. Gemeint sind zudem alle Aktivitäten von Nicht-Banken, die auf die Vergabe oder Absicherung von Krediten zielen. Der internationale Finanzstabilitätsrat schätzt, dass das Geschäftsfeld in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist - auf bis zu 60.000 Mrd. Dollar 2010 und damit etwa 25 bis 30 Prozent des globalen Finanzsystems.
Barnier sieht vor allem drei Möglichkeiten der Regulierung: die indirekte Variante, also Vorgaben für die Beziehungen zwischen Banken und Schattenbanken, die Ausweitung bestehender Gesetze auf solche Aktivitäten oder ganz neue, speziell zugeschnittene Gesetze.
Konkret denkt der Franzose laut dem Entwurf nun etwa daran, Banken strikte Grenzen bei der Auslagerung von Aktivitäten zu setzen. Zudem will Barnier einen stärkeren Informationsaustausch der Aufseher erreichen. Dazu wären aber auch neue Kompetenzen nötig. Auch will er prüfen, ob es etwa bei Wertpapiergeschäften noch striktere Regeln braucht.
Beschlüsse der G20
Barniers Vorstoß soll die Beschlüsse der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) in EU-Recht umwandeln. Sie dringen seit Längerem auf striktere Vorgaben und eine bessere Aufsicht des kaum kontrollierten Sektors. Dahinter steht die Sorge, dass diese Geschäfte das Finanzsystem ebenso ins Wanken bringen können wie Banken und Versicherer.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte schärfere Vorgaben an. Eine Gesamtregulierung auf globaler Ebene wäre sicher wünschenswert, sagte Merkel gestern. Um aber überhaupt zu mehr Transparenz zu kommen, sei in einem ersten Schritt zunächst eine indirekte Aufsicht sinnvoll. Später solle dann eine direkte Aufsicht folgen.
  • Aus der FTD vom 14.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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