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  FTD-Serie: Die Ursprünge der Finanzkrise

Sie begann bei einem kalifornischen Hypothekenanbieter und hat inzwischen Märkte in aller Welt erfasst: Die Subprime-Krise um schlecht besicherte US-Immobilienkredite betrifft längst auch andere Branchen. Unter den Opfern sind zunehmend deutsche Unternehmen.

Merken   Drucken   06.08.2007, 21:09 Schriftgröße: AAA

Bear Stearns kämpft um Reputation

Dossier Bear Stearns kämpft mit ungewöhnlichen Mitteln gegen die Vertrauenskrise an, die die fünftgrößte US-Investmentbank im Zuge des Subprime-Desasters erfasst hat. Doch eine offenherzige Telefonkonferenz und der Abgang des Präsidenten machen die Lage nicht besser. von Heike Buchter (New York)
Um Spekulationen über die Finanzkraft und Kreditwürdigkeit beizulegen, berief Vorstandschef James Cayne am Freitag kurzfristig eine Telefonkonferenz ein, in der er Anlegern und Analysten ungewöhnlich tiefe Einblicke in die finanzielle Lage seines Hauses gewährte. Am Sonntagabend gab er zudem bekannt, dass Warren Spector Bear Stearns mit sofortiger Wirkung verlassen wird. Der Präsident und Leiter des festverzinslichen Wertpapiergeschäfts galt als Nachfolger des 73-jährigen Cayne.
Bear-Stearns-Präsident Warren Spector   Bear-Stearns-Präsident Warren Spector
In den vergangenen Wochen hatten zwei Hedge-Fonds der Bank nach hohen Verlusten am US-Hypothekenmarkt Konkurs angemeldet. Ein dritter Fonds fror Investorengelder ein. "Es ist alarmierend, wenn ein auf dem Kreditmarkt derart erfahrenes Institut in Schwierigkeiten gerät", sagt Christopher Whalen, Mitgründer des Researchhauses Institutional Risk Analytics, der früher bei der Bank tätig war.
Trotz der Maßnahmen setzte die Aktie ihren Abwärtstrend am Montag weiter fort und verlor zeitweise mehr als vier Prozent. Am Freitag war sie um sechs Prozent eingebrochen, seit Jahresanfang beträgt das Minus mehr als 30 Prozent.
Cayne hatte die überraschend offenherzige Telefonkonferenz einberufen, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor' s Bear Stearns  wegen des Engagements auf dem Hypothekenmarkt auf ihre Liste möglicher Abwertungen gesetzt hatte. Cayne versuchte, die mehr als 2000 Teilnehmern zu beruhigen, indem er Umschichtungen und die Reduzierung der Fremdfinanzierung ankündigte. So will er vor allem kurzfristige Kreditlinien, die im Handelsgeschäft üblich sind, zurückfahren. Ungesicherte Kredite sollen von 23 Mrd. $ im Januar auf 11,5 Mrd. $ halbiert werden. Die Bank verfüge über Vermögenswerte von 18 Mrd. $ und könne auf Kreditlinien anderer Banken von rund 11 Mrd. $ zurückgreifen, sagte er.
Zugleich räumte Cayne erhebliche Schwierigkeiten ein: "Wir sind einem extrem herausfordernden Marktumfeld ausgesetzt." Finanzvorstand Samuel Molinaro sagte, so schlecht habe der Kreditmarkt in 22 Jahren nicht ausgesehen. "Bear Stearns sieht sich einem größeren Kampf um Glaubwürdigkeit ausgesetzt", urteilte Richard Bove, Bankenanalyst bei Punk Ziegel & Co.
Nachfolge-Kandidat für Cayne weg
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Spectors Abgang verschärft die Krise der Bank. Ihr fehlt jetzt ein klarer Kandidat für die Nachfolge von Cayne, der Bear Stearns seit 14 Jahren leitet, sich in den vergangenen Jahren aber zunehmend aus dem Tagesgeschäft herausgehalten hatte. Spector galt als erfahrener und versierter Kenner der komplexen Hypothekenmärkte, der mit dem operativen Geschäft gut vertraut war. Die Entwicklung hat an der Wall Street Spekulationen um einen Verkauf von Bear Stearns ausgelöst. Analyst David Hendler vom Researchhaus Creditsights weist in einer Studie darauf hin, dass der Imageschaden und die Mutmaßungen um Liquiditätsprobleme zur Übernahme durch eine der großen US-Geschäftsbanken wie JP Morgan Chase, Bank of America oder Wachovia führen könnten.
Bears Börsenwert ist auf knapp 15 Mrd. $ gefallen - der nächstgrößere Rivale Lehman Brothers liegt bei 29 Mrd. $. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, hat Cayne mit der China Citic Group über einen Einstieg bei der US-Bank verhandelt. 2006 waren Gespräche über einen Minderheitsanteil der China Construction Bank gescheitert.
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  • Aus der FTD vom 07.08.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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