Analysten beziffern deren Engagement auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Ex-Vorstände beider Immobilienkonzerne Immofinanz und Immoeast stehen unter dem Verdacht der Bilanzmanipulation, des Betrugs und der Untreue. Hinzu kommt, dass die Gesellschaften in Finanzierungsnot stecken. Die Aktien beider Unternehmen sind im laufenden Jahr jeweils um 95 Prozent eingebrochen. Am Mittwoch schlossen Immoeast mit 0,34 Euro, Immofinanz mit 0,40 Euro. Bis Mitte Dezember will die Immobiliengruppe, die zu den größten Europas gehört, ein Sanierungskonzept vorlegen.
Die Helaba bestätigte am Mittwoch ihr Engagement. Laut einem Sprecher handelt es sich bei den Krediten vor allem um Immobiliendarlehen, die mit erstklassigen Objekten besichert sind. Zur Höhe des Darlehens äußerte sich der Sprecher nicht. Analysten zufolge geht es bei der Helaba um 300 Mio. Euro. Bei der WestLB waren es ursprünglich 400 Mio. Euro. Kreisen zufolge hat das Institut jedoch 90 Prozent des Darlehens an andere Institute weiterverkauft. Bei der Commerzbank-Tochter Eurohypo geht es dem Vernehmen nach um 150 Mio. Euro. WestLB und Eurohypo nahmen dazu nicht Stellung.
Immofinanz hat 6 Mrd. Euro Bankschulden. Österreichs Wirtschaftspolizei hatte Ende November Hausdurchsuchungen bei Immofinanz und Immoeast vorgenommen, da 520 Mio. Euro fehlten, die aus einer Kapitalerhöhung stammen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit September gegen den zurückgetretenen Chef der Gruppe, Karl Petrikovics.
Sein Nachfolger Thomas Kleibl verhandelt derzeit mit den fast 100 involvierten Banken über eine Restrukturierung der Kredite und einen Schuldennachlass. Bis Mitte Dezember soll feststehen, ob die Gruppe ihre Geschäfte weiterführen kann. Helaba, WestLB und Eurohypo sowie die österreichischen Häuser Bank Austria, Erste Bank und Raiffeisen sollen im Wesentlichen alle Schulden übernehmen und die in den kommenden Monaten benötigte Liquidität sichern.
Immofinanz will von den Banken auch einen Schuldennachlass in nicht genannter Höhe. Eine Fusion von Immofinanz und Immoeast hält Kleibl für sinnvoll. Auch strategische ausländische Investoren hätten angeklopft, um sich zu beteiligen oder zu kooperieren.
Der österreichische Prozessfinanzierer Advofin prüft im Auftrag von Hunderten Anlegern Schadensersatzklagen. Advofin wirft der Gruppe vor, die Aktionäre getäuscht zu haben. Immofinanz und Immoeast galten lange Zeit als Börsenstars. Sie hatten bei Investoren Milliarden eingesammelt - mit dem Argument, dass Immobilien krisensicher seien. Ende September hatte Immofinanz dann einen Quartalsverlust von 190 Mio. Euro vermeldet.
Der Schwerpunkt der Immobiliengruppe liegt in Osteuropa, wo sie mit Milliardenbeträgen investiert ist. Dort mussten wegen der Kreditkrise die meisten Vorhaben allerdings gestoppt werden. Auch in Deutschland werden Wohnimmobilien, Büroentwicklungsprojekte und Lagerhallen für rund 630 Mio. Euro gehalten.