Sein Rekordziel für 2011 hat der scheidende Bankchef schon im Herbst kassiert. Doch das Ergebnis fällt noch schlechter aus als gedacht. Ausgerechnet die Investmentbank von Ackermanns designiertem Nachfolgers Jain macht Verlust.
von Barbara SchäderFrankfurt
Die Schuldenkrise verhagelt dem scheidenden Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann die Bilanz. Das Ergebnis für das vergangene Jahr fällt nach einem Vorsteuerverlust im vierten Quartal weit schlechter aus als erwartet. Zwar steigerte das größte deutsche Geldhaus seinen Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 86 Prozent auf 4,3 Mrd. Euro. Das Vorsteuerergebnis von 5,4 Mrd. Euro aber ist von dem ursprünglich angepeilten Rekordziel von 10 Mrd. Euro meilenweit entfernt.
Deutsche Bank
Stationen eines Topbankers
Ackermann hatte die ehrgeizige Vorgabe schon nach dem schwachen dritten Quartal kassiert. Zur Begründung verwies er auf die Schuldenkrise in Europa und die Abkühlung der Konjunktur.
Im vierten Quartal kam es dann noch dicker: Vor Steuern erwirtschaftet die Deutsche Bank einen Verlust von 351 Mio. Euro. Nur dank einer Steuergutschrift von 537 Mio. Euro sprang unter dem Strich ein Plus von 186 Mio. Euro heraus. Drei Monate vor seiner endgültigen Verabschiedung im Mai präsentierte Ackermann damit den niedrigsten Nettogewinn seit Herbst 2010.
Rechtsstreitigkeiten kosten Konzern 1 Mrd. Euro
Neben einem Einbruch der Erträge im Investmentbanking belasteten eine Reihe von Sonderfaktoren das Ergebnis: Wegen des geplanten Schuldenerlasses für Griechenland schrieb die Deutsche Bank weitere 135 Mio. Euro auf hellenische Staatsanleihen ab. Auf Jahressicht belaufen sich die Verluste mit den Papieren auf 527 Mio. Euro. Überdies wurde der Jahresgewinn durch Kosten verschiedener Rechtsstreitigkeiten in Höhe von 1 Mrd. Euro geschmälert, davon entfielen 380 Mio. Euro auf das vierte Quartal.
Ackermann sagte mit Blick auf die hohen Rechtskosten, er habe sich in mehreren Fällen um einen schnellen Vergleich bemüht, um seinen Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen ein bestelltes Haus übergeben zu können: "Ich hätte nicht gut geschlafen, wenn ich gewusst hätte, dass in einem Jahr noch einmal eine große Korrektur kommt." Nähere Angaben zu den Fällen machte er nicht. Vor allem in den USA laufen gegen den deutschen Branchenprimus mehrere Klagen wegen umstrittener Geschäfte mit verbrieften Hypotheken.
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